Oldenburg /Elsfleth An Einfällen mangelt es Bernd Eylers nicht. Kramermarkt-Umzug oder andere große Veranstaltungen kommen dem Initiator des umstrittenen Graf-Anton-Günther-Denkmals gerade recht, um die Werbetrommel zu rühren.

Am Sonntag war die Bronze-Statue beim Hafenfest in Elsfleth im Einsatz. Fast zwei Stunden war die ungewöhnliche Ladung auf einem Ponton auf der Hunte unterwegs. Initiator Bernd Eylers ist am Nachmittag zufrieden: „Die Aktion ist rundum gelungen. Es gab sehr viel Zuspruch, alle wollten den Grafen sehen.“

Mit einem 50-Tonnen-Kran war die Statue am Freitag von Eylers Autoanhänger auf den Ponton gesetzt und verschweißt worden. „Wir wollten nicht, dass sie bei einer Welle ins Wasser kippt und versinkt“, sagte der Denkmal-Fan augenzwinkernd

Der mehrere Tonnen schwere Ponton wurde von zwei Ruderbooten mit jeweils zehn Ruderern Richtung Harriersand gezogen. Ein Motorboot fuhr nebenher, um den Ponton, der hin und her schlingerte, ab und zu auf Kurs zu bringen. Aus vielen Schiffshörern erklangen bei der Vorbeifahrt Signale.

Seit 2011 kämpft der gebürtige Oldenburger Eylers, der in Elsfleth aufgewachsen ist und in Hude lebt, um einen Platz, wo das überlebensgroße Reiterstandbild prominent aufgestellt werden kann. Mit in Auftrag gegeben und finanziert hatten es der mittlerweile verstorbene Oldenburger Klaus Dirks (Modekette „Buddelei“) und dessen Familie.

Sowohl das Land als auch die Stadt erteilten nach einer emotionalen Debatte den Plänen für eine Aufstellung vor dem Oldenburger Schloss eine Absage. Die künstlerische Qualität wurde hinterfragt. Zudem gab es Bedenken in Bezug auf die absolutistische Herrschaft, die Graf Anton Günther ausgeübt hat. Zahlreiche Bürger hängen dagegen an der Idee und unterstützen die Initiatoren weiter. Die hitzige Debatte um das Bronze-Denkmal („Provinz-Posse“) hatte Oldenburg bundesweit Aufmerksamkeit beschert.

Erinnerung an Kampf gegen Bremen

Die Ausfahrt des Grafen-Denkmals erinnerte an die Einführung des Weserzolls durch Graf Anton Günther (1583–1667). 1623 hatte Oldenburg die Zollrechte erlangt, die Graf Anton Günther gegen vehementen Bremer Widerstand durchsetzte.

Der erste Abguss der Statue steht derzeit – wenig repräsentativ – vor einer Waschstraße an der Cloppenburger Straße. Das Verfügungsrecht habe die Tochter von Klaus Dirks, wie der ehemalige Oberbürgermeister Horst Milde, ein Verfechter der Denkmal-Pläne, berichtet. Ein weiterer Abguss (Milde: „aus der gleichen Form“) nutzt Bernd Eylers für Werbetouren wie am Sonntag in Elsfleth.

Eylers macht die Grünen im Rat für die Ablehnung verantwortlich. Sie hätten den Plan verhindert. „Wenn die Sonne tief steht, werfen auch die Zwerge Schatten“, ärgert sich der Pferde-Fotograf.

Die Befürworter wittern Morgenluft bei der nächsten Wahl. „Das Denkmal ist so populär, dass die Partei, die sich dafür einsetzt, die Wahl für sich entscheiden kann.“

Christoph Kiefer Chefreporter / Reportage-Redaktion
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