Oldenburg Die Ruhe nach dem Ansturm kann sie nicht genießen. „Ich bin noch total auf Adrenalin“, sagt Regina Peters. Als Programmverantwortliche der Kinder- und Jugendbuchmesse Kibum hat die Stadtbibliotheksmitarbeiterin drei Wochen am Stück durchgepowert.

Letzten Dienstag ist das zehntägige Lesefest zu Ende gegangen – und hat einen neuen Besucherrekord aufgestellt: Mehr als 35 000 kleine und große Bücherwürmer sind ins Kulturzentrum PFL und zu den zugehörigen Veranstaltungsorten gepilgert, haben geschmökert, gestaunt, gelacht, gejubelt. 389 angemeldete Kita-Gruppen und Schulklassen mit insgesamt 16 168 Teilnehmenden wurden gezählt. „Das sind noch mal tausend mehr als letztes Jahr“, sagt Regina Peters. Sie sei „happy“. Anglizismen zu verwenden, ist ausnahmsweise erlaubt. Schließlich lautete das Motto der 45. Kibum „Welcome Großbritannien!“. Der Schwerpunkt lag auf britischer Literatur. Etliche kleine Besucher hätten sich nach den Lesungen persönlich mit „thank you“ bei Autoren und Veranstaltern bedankt, sagt Regina Peters und erzählt von einer Lehrerin, die nach einer Lesung in Casablanca-Kino vor die Leinwand getreten ist, um zu sagen, wie überwältigt sie sei.

Generell habe sie die Stimmung in diesem Jahr als „sehr euphorisch“ erlebt, sagt die Initiatorin – richtig glücklich seien die Besucher gewesen. Verzaubert hat all die Leseratten – 68 Prozent aus der Stadt, 32 Prozent aus dem Umland – vor allem Harry Potter. Neben den gut besuchten Zaubershows konnte die Ausstellung „Harry Potter und der Feuerkelch – Magische Illustrationskunst von Jim Kay“ 8200 Interessenten angezogen. Einer der Höhepunkte war die völlig ausgebuchte Lesung mit Künstler Jim Kay und Schauspieler Rufus Beck in der Kulturetage.

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„So etwas können wir nicht jedes Jahr auf die Beine stellen – das ist schon was Besonderes“, schwärmt Regina Peters. Ohne Sponsoren (Oldenburgische Landesbank, EWE Stiftung, Cewe, der Stiftung der Metallindustrie im Nord-Westen, Energy & Meteo systems und MPA Flashlight), die einen Löwenanteil beisteuern, um das vielfältige Programm auf die Beine zu stellen, wären derartige Gäste nicht in die Stadt zu locken. Die wiederum waren angetan: „Die Kibum und Oldenburg stehen exemplarisch für alles Gute in Deutschland: nette Menschen und ein Gespür für Kultur. Es war eine große Freude, alte und junge Menschen kennenzulernen, die ihre Liebe zu Büchern gezeigt haben“, resümierte Jim Kay. Und der renommierte britische Jugendbuchautor Kevin Brooks lobte die Kibum ausdrücklich als das „bestorganisierte Kinder- und Jugendbuchfestival“, das er je erlebt habe.

Lob gab es auch von Grünkohl-Majestät und Politiker Robert Habeck, der die Messe in der Rolle als Kinderbuchautor besuchte: „Was Oldenburg hier über die Jahre aufgebaut hat, ist wirklich was Besonders und Kostbares. Und politisch war es auch. Denn ohne Harry Potter gäbe vielleicht gar kein Fridays for Future.“ Maybe. Fest steht, dass unter den 2150 Neuerscheinungen deutschsprachiger Kinder- und Jugendmedien etliche aktuelle Themen zu finden waren. Und weil es das Motto hergab, wurde auch der britische EU-Austritt integriert. Jüngere Gäste hatten viel Spaß bei den Grüffelo-Vorführungen in der Kulturetage und den Figurentheatern in den Stadtteilbibliotheken.

Kurzum: Es gab viel zu erleben, zu sehen, zu lesen. Für viele wurde der Besuch unvergesslich: Zusammen mit den feuerroten Kibum-Buchstaben vor dem PFL etablierte sich die überdimensionale Leinwand mit dem Harry-Potter-Motiv im Eingangsbereich der Ausstellung zum beliebten Selfie-Standort. Nachhaltig wirkt die Messe sowieso: Die Anmeldungen für Führungen und Besuche in der Kinderbibliothek und den Stadtteilbibliotheken schnellten unmittelbar nach der Messe in die Höhe, freut sich Regina Peters. In die Karten spiele allen Lesenförderern und Bildungsbeauftragen auch die düstere Jahreszeit: prädestiniert für kuschelige Lesestunden.

Weil Bücher Neugier wecken, sei die Frage nach dem nächsten Kapitel gestattet – aber da schweigt Regina Peters eisern. Über das Kibum-Motto 2020 sei noch nichts entschieden. Aber es gäbe Ideen – großartige. Vermutlich werde es ein aktuelles Thema, das Möglichkeiten, zu neuen Ufern aufzubrechen, biete. Die Organisatoren nutzen auf jeden Fall die Ruhe vor dem nächsten Ansturm – um neue Rekorde aufzustellen.  Die Harry-Potter-Ausstellung und die Ausstellung „Zeich(n)en für ein Europa“ sind bis Sonntag, 1. Dezember, in der Peterstraße 1 kostenfrei zu sehen.

Lea Bernsmann Redakteurin / Redaktion Oldenburg
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