Oldenburg Zum Auftakt: Radziwill. Aber wie, wenn man noch nie Kunst gezeigt hat? „Unsere allererste Ausstellung war ein Abenteuer“, erinnerte sich Ex-Treuhand-Chef Dr. Heinz-W. Appelhoff am Mittwoch bei der Feier zum 20-jährigen Bestehen des Kunstfoyers am Langenweg.

Denn die kühlen Köpfe für Recht und Steuern betraten fremdes Terrain. „Wir hatten reihenweise Bilder aus der Sammlung von Claus Hüppe bekommen. Und da hatten wir nun die ganzen tollen Bilder und wussten nicht, wie wir sie hängen sollten. Wir gingen zu Carl Wilh. Meyer und kauften seinen ganzen Bestand an Staffeleien.“

Wir – das heißt gemeinsam mit Dr. Dr. Ummo Francksen, dem großzügigen Sponsor der Oldenburger Museumslandschaft, der auch zum Fest des Kunstfoyers gekommen war, das als große öffentliche Ausstellung in einem Oldenburger Unternehmen eine absolute Sonderstellung hat.

Mehr als 2000 Exponate aus Fotografie, Keramik, Skulptur und Malerei sind seit 1998 im Kunstfoyer der Treuhand Weser-Ems ausgestellt worden. Auf Radziwill folgten bis heute 67 weitere Künstler, mal bekannter, mal weniger bekannt. „Wir haben damals einen neuen Ort für junge regionale Kunst in unseren Räumen geschaffen. Bis heute haben hier 68 namhafte Künstlerinnen und Künstler mit ihren einzigartigen Werken Kunstfreunde in der ganzen Region begeistert“, sagte Treuhand-Chef Kersten Duwe, dessen Unternehmen 240 Mitarbeiter beschäftigt.

Auch „ein Michael Ramsauer gehört dazu, der es schon weit gebracht hatte, als er 2003 hierher kam, ein Martin McWilliam aus Hatten mit seinen keramischen Gefäßen oder ein Peter Kreier als langjähriger Fotograf der NWZ mit seinen tollen Bildern, aber auch gerade junge Künstler wie eine Kirsten Brünjes zum Beispiel“, sagte Appelhoff.

Über viele Jahre kuratorisch begleitet – von 1998 bis 2013 – wurde das Kunstfoyer von der ehemaligen Kulturamtsleiterin Dr. Irmtraud Rippel-Manß. Seit 2013 macht das Jörg Kinner, der Geschäftsführer des Oldenburger Kunstvereins.

Die Nähe zu Stadt und Region kommt auch bei Oberbürgermeister Jürgen Krogmann gut an: „Zu sagen, wir wollen etwas zurückgeben im Bereich Kultur, das finde ich auch als Kulturdezernent super.“ Zumal eindeutig „Auftrittsmöglichkeiten für Künstler fehlen, wo sie beachtet werden, auf einem hohen Niveau – dazu ist das Kunstfoyer ein wunderbarer Ort“.

Auf die 20-jährige Geschichte des Foyers ist das Unternehmen durchaus „ein bisschen stolz“, sagte Duwe – auf diesen Weg der Kunst, „der unten am Empfang beginnt und chronologisch die Werke der vergangenen 20 Jahre aufreiht, wild und vielfältig, treppauf und treppab“.

Nach langer Zeit an der Kastanienallee „waren wir damals im Aufbruch, wir waren offen für Neues als die Seluggas das hier für uns bauten, und so ist durch einen Anstoß von Frau Rippel-Manß das Kunstfoyer entstanden“, sagte der langjährige Treuhand-Mann Dr. Martin Gutsche. Man dürfe nicht übersehen, „dass Rechtsanwälte, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer zwar einerseits vielleicht etwas trockene Typen sind, die vor allem kognitiv beraten – aber alle haben auch eine emotionale Seite, das ist wichtig; wir haben gedacht, dass uns das wunderbar ergänzt, wir wollten Intellekt und Emotion verbinden und mit der Plattform etwas für die Künstler in der Region tun“.

Aus den Ausstellungen wurden nicht nur privat Werke erstanden, sondern auch jeweils eines für die Kunstfoyer-Ausstellung angekauft.

Sie freue sich „ganz besonders, dass die Förderung junger Menschen hier im Fokus steht“, sagte Eske Nannen (Aufsichtsratsvorsitzende der Kunsthalle Emden) in ihrem Festvortrag, die großer Oldenburg-Fan ist: „Oldenburg ist eine liebens- und lebenswerte Stadt. Das sage ich aus voller Überzeugung, obwohl ich Emderin bin.“ Nannen warb für eine möglichst frühe Beschäftigung mit der Kunst, wie sie gerade auch ihre Kunsthalle bewusst ermögliche: „Das stärkt fürs ganze Leben.“ Dazu habe die Kunst eine wunderbare Funktion, wie es Picasso mal ausgedrückt habe: „Die Kunst wäscht den Staub des Alltags von der Seele und lässt sie kreativ werden. – Das passt auch gut für die Mitarbeiter in einem Wirtschaftsunternehmen.“ Und was zeigt die Kunsthalle in Emden passenderweise zum Jubiläum des Kunstfoyers, das damit begann? „Radziwill und die Gegenwart“ (bis 13. Januar).

Karsten Röhr Redakteur / Redaktion Oldenburg
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