Oldenburg Kofferpacken war angesagt. Es gibt ein „One-Way-Ticket“ für die letzte Reise. „Was würden Sie mitnehmen, wenn Sie könnten?“, war die Frage der Stiftung Hospizdienst Oldenburg. Jörg hatte einen reichgefüllten Koffer beim Ambulanten Hospizdienst und Kinderhospizdienst in der Haareneschstraße für die Ausstellung „(M)ein Koffer für die letzte Reise“ abgegeben.

„Die Anregung kam von meiner Frau“, offenbarte der Pastor. Der passionierte Camper hatte natürlich ein Foto von seinem Campingwagen eingepackt, ein Foto seiner Großfamilie möchte er auch gern mitnehmen und als leidenschaftlicher Fahrradfahrer hatte er als Symbol ein Fahrradschloss eingepackt. Eine Bibel und ein Holzkreuz waren für ihn selbstverständlich.

Geradezu spartanisch dagegen sah der Koffer von Monika (34) aus. Nichts, aber auch gar nichts will sie mitnehmen. Das erläutert sie auch in einem Brief, der an den leeren Koffer gelehnt ist. „Was soll’s?“ fragt sie. „Ich möchte im Hier und Jetzt alles so intensiv erleben, dass ich im nächsten Leben nichts brauche.“ Sie möchte sich auf das Neue einlassen.

Ihre Freundin Karina (33) hat lange nachgedacht, ob sie mitmachen sollte. „Es ist ja etwas sehr Intimes, was man dadurch preisgibt“, fiel ihr ein. Und trotzdem hat sie ein paar Fotos eingepackt und als Hobbymalerin ein selbstgemaltes Bild. Und ein Smartphone. „Ich möchte ab und zu mit meinem Mann telefonieren“, ist ihr Wunsch auf der letzten Reise.

Im Gebäude des Hospizdienstes sind 14 edel gerahmte Fotos von Tom Steffens, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit, aufgehängt. Auch einige originale Koffer sind dabei. „Wir möchten die Menschen zum Nachdenken über den eigenen Tod motivieren“, sagt Renate Lohmann, die Leiterin des Hospizdienstes, der in diesem Jahr sein 25-jähriges Bestehen feiert.

Theresa Jansen (Palliative Carekraft) und Steffens hatten viele Menschen angeschrieben und über verschiedene Medien kontaktiert. „Die Resonanz war von der Menge her nicht sehr erfolgreich“, sagt Jansen. „Aber es war eine spannende Zeit“, ergänzt Steffens. Ganz unterschiedliche Teilnehmer sind dabei. Ein Pastor und der ehemalige Innenminister Rudolf Seiters sind dann auch die einzigen Männer. Daneben eine Rechtsanwältin, zwei Viertklässlerinnen, zwei Lehrerinnen, eine Hausfrau, eine Ergotherapeutin. Alle Altersklassen sind vertreten. „Insbesondere die Gespräche mit den Kindern waren toll. Sie gingen ganz unbefangen an das Thema ran“, so die Kuratorin.

„Viele bekannte Persönlichkeiten haben abgesagt. Es waren häufig Zeitgründe, aber auch Gründe im Sinne von „das geht niemanden etwas an“. Es war schwierig, so die Organisatoren, die Menschen dazu zu motivieren und nachzudenken darüber, was sie auf ihrer letzten Reise mitnehmen würden.

Eine Flasche Wein und Süßes befinden sich häufig in den Koffern, Bücher will man mitnehmen, die man zu Lebzeiten nicht geschafft hat zu lesen. Allen voran die Bibel. Medikamente (auch Morphine) sind dabei. Stricknadeln und Wolle. Skizzenblock und Kuscheltiere. „Von den alten Ägyptern kennen wir die Grabbeilagen, die den Mumien beigelegt wurden“, meint dazu ein Teilnehmer.

Die Ausstellung „ One way Ticket – (M)ein Koffer für die letzte Reise" ist bis zum 21. Juni beim Hospizdienst an der Haareneschstraße 62 zu sehen.

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