OLDENBURG Es ist eine spannende Frage, wie man im 21. Jahrhundert Bertolt Brechts großartigen Klassiker „Mutter Courage und ihre Kinder“ inszeniert. Brecht (1898-1956) schrieb das Antikriegsstück 1939 in der Emigration, mit dem Krieg vor Augen.

Die Handlung legte er noch viel weiter zurück, in den Dreißigjährigen Krieg. Brecht ließ die Marketenderin Courage in den Jahren 1624-36 mit ihrem Planwagen hinter den kämpfenden Truppen herziehen. Alle drei Kinder verliert sie währenddessen und will sich den Krieg doch nicht madig machen lassen.

Scheu vor dem Original hat Regisseur Malte Kreutzfeld keine. Bei Brecht fühlt er sich sogar ein bisschen zu Hause, studierte Kreutzfeld doch u.a. bei Manfred Karge an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in Berlin.

Brechts Stück sei ein moderner Klassiker, sagt der 39-Jährige, brauche aber zwingend Distanz. Und so belässt Kreutzfeld die Chronik eines Krieges textlich in ihrer damaligen Entstehungszeit. Optisch verlegt er sie indes in einen modernen, bizarren Industrieraum, der sich im Verlauf des Stückes klimatisch stark verändert. Auf den Planwagen verzichtet er gänzlich.

„Der Abend führt vom Licht ins Dunkle“, beschreibt Kreutzfeld seine Inszenierung. Der Beginn sei leicht, charmant, grotesk, sogar ein bisschen witzig. Doch dann stirbt Mutter Courages (Gaby Pochert) erster Sohn (Klaas Schramm), ihr zweiter (Sascha Grüb) und schließlich auch die Tochter (Rika Weniger). „Das Stück entschleunigt, wird leiser, zarter und dunkler“, sagt der freischaffende Berliner.

Ein wichtiger Pfeiler seiner Inszenierung ist die Musik. Diese stammt zwar immer noch von Paul Dessau, klingt aber völlig anders. „Wir haben sie extrem modernisiert“, so Malte Kreutzfeld. Live auf der Bühne spielen Gunnar Greszik (Gitarre), Bino Engelmann (Schlagzeug) und Sascha Müller (Bass). Zu den weiteren Mitwirkenden zählen Eva-Maria Pichler als Yvette, Thomas Birklein als Koch, Thomas Lichtenstein als Feldprediger, Rene Schack als Werber und Norbert Wendel als Feldhauptmann.

Alle NWZ-Theaterkritiken finden Sie im Internet unter

www.NWZonline.de/theater

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.