Oldenburg Höchstwahrscheinlich gibt es nur zwei Gitarristen, die aus Oldenburg stammen und zugleich in Japan berühmt sind. Der eine ist Pop-Titan Dieter Bohlen, der mit Modern Talking Welthits hatte und heute vorwiegend Talente sucht. Der andere ist Heinz Fröhling, der mit der Musik seiner einstigen Band Schicke, Führs, Fröhling Kultstatus unter Sammlern in Fernost genießt. Inzwischen als Jubilar: Vor genau 50 Jahren begann die Karriere des Rockmusikers.

Clevere Musikfans hätten im Frühjahr 1967 erkennen können, dass da ein großes Talent die Realschule abgebrochen hatte und sich im Profigeschäft versuchen wollte. In jenem April nämlich durfte eine unbekannte Schülerband namens The Heads bei dem Beat-Länderkampf Deutschland gegen Holland (ja, so etwas gab es mal) in der Weser-Ems-Halle mitmischen. Die Oldenburger „Köpfe“ machten ihre Sache so gut, dass sie am Ende per „Applausometer“ unter die besten fünf Gruppen des Abends geklatscht wurden (gelobt sei der Heimvorteil).

Jubiläumskonzert in der Kulturetage

Mit einem Konzert in der Kulturetage feiert Gitarrist Heinz Fröhling am Freitag, 5. Mai, ab 20 Uhr sein Bühnenjubiläum.

Seine Band Heart of Gold mit Claudia Fröhling (Gesang) und Jürgen „Chock“ (Gitarren) spielt unter dem Motto „Those were the Days“ Songs der 60er und 70er im neu arrangierten akustischen Gewand.

Mit dabei ist auch „Here comes my baby“ von Cat Stevens, das bereits Fröhlings erste Band The Heads nachspielte.

Der Bassist der Heads hieß Heinz Fröhling. Und der war fortan vom Pop- und Rock-Bazillus gebissen. „Musik hatte mich fasziniert, schon immer“, meint der heute 65-Jährige. „Ein Leben ohne Musik kann ich mir eigentlich nicht vorstellen.“ Dass der junge Heinz vom Nachbarn eine E-Gitarre geschenkt bekommen hatte und dadurch erst auf den Geschmack gebracht worden war, Musik nicht nur zu hören sondern auch selbst zu machen, vergisst er aber nicht zu erwähnen.

Doch es braucht mehr als einen Auftritt in der Weser-Ems-Halle, um nach dem großen Erfolg greifen zu können. Dazu bedarf es harter Kärrnerarbeit, und die war Fröhling gewillt zu leisten: Der Raumausstatter-Azubi spielte mit den Heads die Hitparaden jener Zeit rauf und runter, wechselte dann zu einer Band mit dem großartigen Namen Demoralisation Disturbance Company (liebevoll DDC gerufen) und spielte Lieder von Deep Purple bis Roy Black an jeder Gießkanne in der Region nach. „Im Augustfehner Hof kamen regelmäßig 500 bis 800 Leute, um viermal die Woche bei den Konzerten abzurocken“, erzählt Fröhling von ersten Höhenflügen.

Aus dem Spaß des Stars-Nachahmen wurde Ernst, als der Oldenburger nach Abschluss der Lehre entschied, keine Räume mehr auszustatten, sondern tatsächlich der Musik den Vorrang zu geben. „Die Erfolgserlebnisse und die Gagen bei den Auftritten unterstützten mich natürlich“, lacht Fröhling. 1971 schrieb er sich am Bremer Konservatorium ein und studierte Musik; gleichzeitig eroberte er mit dem Oldenburger Schlagzeuger Ede Schicke den Kosmos der Eigenkompositionen. In der Band Spektakel drang man tief in den damals beliebten Progressive Rock ein. „Die Klassik, zum Beispiel von Strawinsky, aber auch der Jazz übte einen starken Einfluss auf unsere Songs aus“, blickt er zurück. Das Studium machte sich bemerkbar.

Das galt umso mehr, als Fröhling und Schicke im Herbst 1974 auf Gerd Führs trafen. Der war zwar bei der Jazzrock-Gruppe Samspel engagiert, erkannte aber schnell, wie gut man miteinander harmonierte. Folge: Die drei nahmen einen Kredit auf, mieteten sich einen ausrangierten Schweinestall in Kuhlen (Wesermarsch-Gemeinde Ovelgönne) und übten, was das Zeug hielt. Sechs Monate später gaben sie sich selbstbewusst den Bandnamen Schicke, Führs, Fröhling (in Anlehnung an die Superstars von Emerson, Lake and Palmer) – und debütierten, auch dank der guten Beziehungen zum Oldenburger Disco-Betreiber Emil Penning, im riesigen Circus-Krone-Bau in München beim German Rock Meeting 1975.

Die eine gute Premiere reichte, um die Talentspäher zu elektrisieren, selbst US-Gitarrist Frank Zappa war kurzzeitig an dem Trio interessiert. Am Ende aber produzierte der international gefragte Dieter Dierks das erste Album „Symphonic Pictures“, das sofort Erfolge feierte. „Wir hatten eine eigenständige Musik innerhalb des damaligen Krautrocks entwickelt“, erklärt Fröhling. „Mit elektronischen Instrumenten wie Mini-Moog und Mellotron sowie mit Gitarre und Schlagzeug erzielten wir unseren ganz eigenen Sound.“

Drei Platten lang hielt das Trio zusammen, dann, 1978, trennten sich die Wege. Fröhling und Führs machten alleine weiter und schafften mit dem Album „Ammerland“ einen weiteren Karriere-Höhepunkt, doch auch das Duo war nach zwei weiteren Werken 1981 am Ende.

Für Heinz Fröhling kein Grund, der Musik ade zu sagen. Zunächst heuerte er bei den Romantic-Rockern von Novalis an, dann spielte er Gitarre in diversen Tanzbands wie The Dominos (Fröhling: „Von Pop bis ZZ Top“) oder in sogenannten Gala-Bands, die für große Betriebsfeiern von Banken oder Versicherungen als Begleitung für berühmte Solisten gebucht wurden.

Nebenbei entdeckte Fröhling, inzwischen in Köln ansässig, Mitte der 1980er Jahre den Spaß daran, Musikunterricht zu geben. „Als Angestellter, aber ich plante auch schon eine eigene Musikschule“, sagt er. 1991, und zurück in Oldenburg, setzte er die Idee um: Er war Lehrer der städtischen Musikschule und versuchte sich zugleich in der Eigenständigkeit. Das gelang: Die Musikschule Fröhling ist mittlerweile 25 Jahre alt.

Von der Bühne ließ er dennoch nie. Bei den Nordseemusikanten schunkelte er, bei Roundabout wurde heftig popgerockt, und seit nunmehr zehn Jahren ist Heart Of Gold das Maß seiner musikalischen Dinge. Fröhling spielt hier mit seiner Frau Claudia und mit Jürgen „Chock“ Fastje im akustischen Trio die Songs, die ihn einst prägten: Neil Young, Cat Stevens, die Beatles und all die anderen großen Pophelden der 60er und 70er leben wieder auf – und die Leute in den meist ausverkauften Sälen singen mit. „Ohne Musik geht’s eben nicht, weder für das Publikum noch für mich“, lacht der Jubilar.

Klaus Fricke
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