Oldenburg Das Konzert von Bob Dorough im vorigen Jahr war für mich eines der Ereignisse, die man gerne mit allen, die einem wichtig sind, teilen möchte. So habe ich mich seit Monaten auf die Neuauflage am Sonntag im Wilhelm 13 gefreut. Ebenso lange habe ich einige Bekannte damit belästigt, immer wieder zu erwähnen, dass sie das auf keinen Fall versäumen dürfen! Am Ende haben sie sich für die Belästigung bedankt.

Bob Dorough, geboren 1923, aufgewachsen in Texas, ging 1949 nach New York, war Zeitgenosse der Be-Bop-Begründer um Charlie Parker und Dizzy Gillespie, schrieb zahlreiche inzwischen zu Jazz-Standards gereifte Stücke. Er hat mit vielen der großen Namen zusammengearbeitet, bis hin zu Miles Davis. Er ist eine Legende aus einer Zeit, aus der es kaum noch lebende Zeitzeugen gibt. Bald wird er ja nun auch 91!

So jemand kommt nach Oldenburg, und nun auch schon zum zweiten Mal! Wir haben Glück, sein Neffe Jeff Hess wohnt hier. Er übernimmt die Anmoderation und begleitet hier und da als Gesangspartner. Das Konzert bekommt einen privaten, intimen Rahmen, fast schon fühlt man sich dieser Familie mit dem „best uncle of all“ zugehörig.

Der Onkel erscheint mit seinen Mitmusikern auf der Bühne, übernimmt am Klavier sitzend mit Routine die Rolle des Entertainers, erzählt locker zu jedem Stück eine kleine Geschichte. Beim Einzählen fängt das Stück an zu leben. Kaum hat die Band angefangen zu spielen, wird man mitgerissen von Doroughs beeindruckender Bühnenpräsenz. Er spielt Klavier und singt dazu mit jeder Faser seines Körpers, die Spannung entlädt sich in kleinen Explosionen der Finger auf der Tastatur. Hier äußert sich eine musikalische Leidenschaft, die auf den Zuschauer überspringt, ohne dass man sich dagegen wehren könnte.

Seine Art zu singen ist so, dass er das Publikum direkt anzusprechen scheint. Deutlich wird dies bei einer Nummer aus „Schoolhouse Rock“, „Three is a magic number“, bei der das Publikum in die Interaktion tritt. Die Balladen nehmen das Publikum so gefangen, dass man die sprichwörtliche Stecknadel fallen hören könnte. Die Intensität seines Gesangs steigert er, indem er phasenweise in Sprechgesang übergeht.

Er wird einfühlsam begleitet von Günther Spaeth am Bass, Eckhart Petri am Tenorsaxofon und Gunnar Olsen am Schlagzeug (übrigens: Oldenburger aus Würzburg).

Three is a magic number, dreimal ist Oldenburger Recht. Ich hoffe, Bob Dorough wird im nächsten Jahr wieder Gelegenheit haben, seinen Neffen zu besuchen – und nebenbei vielleicht auch wieder die Bühne des Wilhelm 13.

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