OLDENBURG Einmal in seiner 30-jährigen Geschichte hat der Oldenburger Chor Bundschuh den Bach-Choral „O Ewigkeit, du Donnerwort“ gesungen – mit dem Text: „O Gegenwart, du Donnerwort!“ Das beweist: Das Ensemble widmet sich weniger der Ewigkeit als aktuellen gesellschaftlichen Missständen. Und: Die 50 Sängerinnen und Sänger setzen sich auch künstlerisch ansehnliche Ziele.

Im Staatstheater führt Bundschuh sein politisches Anliegen und seinen musikalischen Anspruch in einer dreistündigen Matinee eindrucksvoll und darob stürmisch gefeiert vor. „Wir haben uns an unsere Grenzen vorgewagt“, sagt Robert Brüll, der die ungewöhnliche Vereinigung nachdenklicher Oldenburger von Anfang an leitet. Es ist der eigens ausgeschriebene Kompositionswettbewerb, der den Chor anstachelt.

17 Einsendungen zum Thema „Wie das politische Singen geschieht“ haben Thomas Bönisch (Theater-Chordirektor), die Komponisten Violeta Dinescu (Uni Oldenburg), Johannes von Hoff (Ansgari-Kantor) und Brüll selbst bewertet. „Die Arbeit war schwer, aber wir waren im Einklang“, erzählt Dinescu zur Preisträger-Findung.

Der Koreanerin Eun-Joo Lee wird für „Dantons Tod“ der erste Preis zuerkannt. Der zweite geht an den erst 17 Jahre alten Japaner Tamon Yashima für „Loblied auf das Leben“, der dritte an Georg Metz, der sogar Offenbach durch seinen „Chor der Girls“ schimmern lässt. Zisch- und Keuchlaute fordern den Bundschuh-Chor ebenso wie Gleitklänge, Schwebetöne oder dichte harmonische Wechsel in den überaus anspruchsvollen neuen Werken.

Acht befreundete Chöre von Gewerkschaften bis zu Andere-Welt-Projekten zwischen Kiel, Hannover, Bremen und Groningen singen linke Lieder gegen den rechten Ton. Sie erheitern auch mit „Trostworten vom Amt“ nach Texten der Arbeitsagentur. Doch da gilt die Einschränkung: „Ist Ihre Firma Konkurs gegangen oder nach Rumänien oder China, trifft Vorheriges nicht zu.“ Gemeinsam singen alle das von Gustavo Becerra-Schmidt zum Fest komponierte Finale „Gehörtes Eigentum“.

Ein solches Chorfest „sympathisch, erbaulich oder Freude machend“ zu nennen, wäre im Normalfall eine Verkennung des politischen Engagements. Doch im Großen Haus gelten die Beiträge außer der Reihe mal als Lob- und Preislieder. 30 Jahre Bundschuh, das ist ja immerhin eine halbe Ewigkeit.

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