Oldenburg Gabriel Mircea ist nicht der Typ, der großen Zirkus macht. Der 47-Jährige ist kein Jongleur oder Artist, und doch ist er so etwas wie der erste große Künstler, der mit dem „Circus Roncalli“ in die Stadt kommt. Der Verlademeister sitzt am Steuer eines rot lackierten Hanomag Brillant 600. Rückwärts fährt er die schmale hölzerne Rampe am Gleis der Firma Schenker an der Güterstraße hinauf, um jeden der 80 historischen Zirkuswagen mit großer Vorsicht von den Waggons zu ziehen. „Ich kenne jede Besonderheit. Ich weiß genau, wie breit die einzelnen Wagen sind und was sie geladen haben“, erklärt Mircea. Neben dem Sonderzug läuft Janek Bilas auf und ab. Der Pole hält ständig Blickkontakt zum Verlademeister. „Er ist mein Auge“, sagt Gabriel Mircea, den alle nur „Gabi“ nennen. „Was zuletzt abgebaut worden ist, wird als Erstes aufgebaut“, erklärt Mircea das Konzept.

Seit 2001 arbeitet der Rumäne schon beim „Circus Roncalli“, seit vier Jahren ist er Verladechef. Bevor er zu Roncalli kam, war Gabriel Mircea in seiner Heimat Busfahrer. Er liebt es, mit dem Zirkus „auf Tournee“ zu gehen.

Der 700 Meter lange Sonderzug hat am Mittwochmorgen um 9.45 Uhr an der Verladerampe angedockt. Die teilweise mehr als 100 Jahre alten Zirkuswagen kommen direkt aus dem Kölner Winterquartier. Wir bringen fast eine kleine Stadt mit“, erklärt Zirkus-Sprecherin Angela Weller. Etwa 100 Tonnen Material transportiert der „Roncalli-Express“. Weller: „Roncalli ist heute der einzige Zirkus in Deutschland, der seine Wagen mit dem Zug transportiert. Was früher der Normalfall war, ist heute eine absolute Ausnahme.“

37 Vorstellungen in 26 Tagen

Vom 12. März bis 6. April gastiert der „Circus Roncalli“ mit seinem Programm „Good Times“ an der Weser-Ems-Halle. Wer die große Premiere am Donnerstag, 12. März, 20 Uhr, erleben möchte, bekommt noch Karten bei den Nordwest-Ticket-Verkaufsstellen, u.a. bei der NWZ  an der Peterstraße 28-34. NWZ -Card-Inhaber erhalten für diesen besonderen Abend 30 Prozent Rabatt.

Vorstellungen sind mittwochs bis freitags um 16 und 20 Uhr, sonnabends um 15 und 20 Uhr, sonn- und feiertags um 14 und 18 Uhr. Montags, dienstags und Karfreitag ist spielfrei.

Karten gibt es u. a. unter Tel. 0441/99887766 sowie ab dem 10. März täglich ab 10 Uhr an der Zirkuskasse.

Karten unter www.nwz-events.de

Wie an einer Kette ist auf den Waggons ein historischer Zirkus-Wagen nach dem anderen aufgereiht. Viele sind Garderoben oder dienen als Unterkünfte für die Mitarbeiter. „Meiner zum Beispiel ist der mit der Nummer acht“, sagt Angela Weller und zeigt auf einen dunkelbraun gestrichenen Wohn-Anhänger. Im Vergleich zu den meisten anderen sei ihr Quartier mit rund sechs Quadratmetern sehr klein. „Dafür ist der Wagen aber auch rund 120 Jahre alt und damit einer der ältesten“, berichtet die studierte Dramaturgin und Theaterwissenschaftlerin stolz. Über das Jahr verteilt verbringt sie insgesamt gut neun Monate in der Nummer acht.

Hanomag-Liebhaber hilft

Hinzu kommen Strom-, Wasch-, Küchen-, und Bürowagen. Nur wenigen der alten Anhänger ist ihre Bestimmung von außen anzusehen. Dafür muss man die Nummern kennen, sagt Weller. „Wagen 19, der so einen schönen Balkon hat, steht zum Beispiel immer am Eingang.“

Auf dem Parkplatz bei Schenker nehmen Zugmaschinen die Wagen in Empfang und befördern sie zur Weser-Ems-Halle. Zusätzlich zu den Lastwagen ist auch Dietbert Strahlmann mit seinem Hanomag, Baujahr 1952, im Einsatz, um die Wagen zum Freigelände zu schleppen. Der Oldenburger hat seine Hilfe freiwillig angeboten. „Ich unterstütze den Zirkus gerne“, sagt der 62-Jährige.

Handarbeit beim Aufbau

Während die Wagen auf dem Areal an der Weser-Ems-Halle von Chef-Logistier Patrick Philadelphia an ihren Platz dirigiert werden, werkeln schon Zirkus-Mitarbeiter am Zelt. Auch das ist XXL: 1063 Quadratmeter groß, 16 Meter hoch, 36,80 Meter Durchmesser, 1499 Menschen passen hinein. Der Aufbau – schweißtreibende Handarbeit. Die Männer hieven die tonnenschwere Zeltplane mit Seilen und Flaschenzügen nach oben. Material und Masten wurden über die Straße vorausgeschickt – „unser Starter-Kit“, lacht Zirkus-Sprecherin Angela Weller. Über sechs Kilometer Elektrokabel und drei Kilometer Wasserleitungen werden verlegt, 100 Anker in den Boden gerammt, 10 000 klassische Glühlampen angeschlossen.

Zwei Tage dauert es, bis die Zirkus-Stadt komplett ist. Während ein großer Teil der Aufbau-Crew dann wieder abreist, rücken die Artisten an, um für die Saisonpremiere des Programms „Good Times“ am 12. März zu proben. Weller: „Nach der Winterpause ist das wie eine Uraufführung.“


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Stephan Onnen Redakteur / Redaktion Oldenburg
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