Oldenburg Viele Orte mit dem rauen Charme einer Bauwerkhalle hat die Stadt nicht. Um so sorgfältiger überlegen alle, wie man sie schützen und nutzen kann. Hier ist eben nicht der Ruhrpott, wo Industriearchitektur an jeder Ecke in Lofts oder Restaurants à la Zeche Zollverein designt werden kann. Die Diskussion über das 1898 erbaute Gebäude der ehemaligen Maschinenschlosserei Hermann Meyer am Pferdemarkt treibt die kreative Klasse der Stadt auf die Straße: An diesem Sonnabend will man sich um 14 Uhr auf dem Bahnhofsvorplatz treffen und für kreative Vielfalt und Freiräume in der Stadt demonstrieren. Die Kundgebung trägt den Titel „Creative Mass“ und wird organisiert von einem offenen Bündnis etablierter Kulturschaffender und jenen aus der offenen Szene.

Bunte Gruppe

Mindestens ebenso bunt ist die Gruppe der Unterzeichner mehrerer Briefe an Rat und Verwaltung, die sich dafür einsetzen, dass die Bauwerkhalle für kreative und kulturelle Aktivitäten erhalten und nicht verkauft wird. Die gesamte Diskussion hatte sich überhaupt erst daran entzündet, dass die Gemeinnützigen Werkstätten das Gebäude kaufen und dort ein italienisches Spezialitäten-Restaurant einrichten wollen.

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Offen für eine Lösung

Allen voran – aber nicht nur – sind es Architektenverbände und Kulturinitiativen, die die Briefe ins Rathaus unterzeichnet haben. Schließlich ist es der Verein Bauwerk, dem die Stadt vor 13 Jahren die Halle in den Sommermonaten für Veranstaltungen vermietet hat und der dort das Amt des Hausherrn sehr ernst nimmt.

Die Verantwortlichen um Vorsitzenden Frank-Egon Pantel und Organisatorin Katharina Semling haben inzwischen über ein kreatives Modell nachgedacht, das vielen gerecht werden soll. „Wir sind für ein großes Miteinander“, meint die Diplom-Designerin und erklärt die skizzierte Lösung, wonach die Bauwerkhalle weitgehend in ihrem Zustand bleibt, der 200 Quadratmeter große Raum dahinter jedoch in ein Restaurant oder Café umgewidmet und durch einen Glasanbau Richtung Exerzierhalle ergänzt werden könnte.

So könnte die Bauwerkhalle als Kulturort von vielen genutzt werden und darüber hinaus ein inklusives Restaurant entstehen. Diesen Lösungsvorschlag nennen sie „Überlegungen für eine nachbarschaftlich-kooperative Nutzung der städtischen Hallen am Pferdemarkt“.

Kulturelle Vielfalt

Mit dieser Lösung könnten sich auch jene anfreunden, die an diesem Sonnabend für die kulturelle Vielfalt auf die Straße gehen wollen. Nicht nur der geplante Verkauf der Bauwerkhalle hat sie mobilisiert, sondern auch eine Reihe von kulturpolitischen Entscheidungen, vor allem auch die Absage des Freifeld-Festivals. Sie etikettieren die städtische Kulturpolitik mit „klein-klein“. Dass etwa gerade das Stadtmuseum komplett auf den Kopf und mit großer Bürgerbeteiligung neu aufgestellt wird, tröstet sie nicht.

Planungssicherheit, wie im Kulturausschuss immer einmal während der Budgetdiskussionen gefordert, steht bei ihnen auf der Agenda. „Es ist unsere Überzeugung, dass es im ureigenen Interesse der Stadt ist, dem eigenen Nachwuchs einen möglichst einfachen Zugang zu Förderung und passenden Räumen zu geben, die das Experimentieren mit Kulturformen erlauben.“

Auch fordert man die Erhaltung und Schaffung neuer Kulturräume, z.B. durch Zwischennutzung leerstehender Immobilien in der Innenstadt. Schließlich will das Bündnis der Politik Werkzeuge an die Hand geben, um eine neue Kulturpolitik zu schaffen.

Metallkünstler Michael Olsen zumindest hat eigens Termine verlegt, um an der Kundgebung teilnehmen zu können. Er ist davon überzeugt, dass es schon hilft, die richtigen Fragen zu stellen, wie es jetzt geschieht. Da sieht er sich ganz in der Tradition der Fluxus-Künstler der sechziger Jahre.


     www.creative-mass.de 
Sabine Schicke stv. Redaktionsleitung / Redaktion Oldenburg
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