Frage: Herr Lage, nervt das eigentlich – immer nach „1000 und einer Nacht“ gefragt zu werden?

Klaus Lage: Nö. Und ich werde ja nicht nur danach gefragt. Ich hoffe, Sie tun das auch nicht.

Frage: Nein. Mich würde trotzdem interessieren, wie man nach so einem Riesenerfolg weitermacht?

Klaus Lage: Das war ja keine Eintagsfliege. Wir hatten auch noch andere Top-Ten-Hits.

Frage: Mögen Sie den Zoom-Song denn noch hören?

Klaus Lage: Also ich stehe jetzt nicht unbedingt morgens auf und leg’ die Platte auf. Aber ich spiele das Lied immer wieder gerne in unterschiedlichen Varianten.

Frage: Stehen in Ihrem Publikum die Fans von damals?

Klaus Lage: Ich habe kein Teenie-Publikum, aber zu meinen Konzerten kommen auch 30- und 40-Jährige, die mit meiner Musik aufgewachsen sind und die Songs von ihren Eltern kennen. Aber mich hören auch Leute, die mit mir älter geworden sind – eigentlich ist das eine ganz schöne Mischung.

Frage: Wie hat sich die Musikindustrie seit Ihren Anfängen verändert?

Klaus Lage: Die Digitalisierung hat viel verändert. Heute kann man jeden Tonträger innerhalb weniger Sekunden eins zu eins kopieren. Es gibt wesentlich mehr Downloads als CDs.

Frage: Trauern Sie den alten Zeiten hinterher?

Klaus Lage: Dafür gibt es keinen Grund. Ich bin froh, dass meine Zeit noch ist. Ich bin weiterhin unterwegs und freue mich, dass das gesundheitlich geht.

Frage: Gibt es kein Rentenalter für Musiker?

Klaus Lage: Nö. Es gibt Blues-Musiker, die noch mit 80 auf der Bühne stehen. Oder gucken Sie sich die Stones an. Oder Paul McCartney. Ich mache solange weiter, wie es sich gut anfühlt und mir und den Leuten Spaß macht.

Klaus Lage wurde 1950 in Soltau geboren. Nach einer abgebrochenen Ausbildung arbeitete er als Sozialarbeiter. Seine musikalische Laufbahn startete in den 70ern mit dem Berliner Rock-Ensemble. Der Durchbruch gelang dem Quintett 1983 mit dem dritten Album „Stadtstreicher“ und der Single „1000 und eine Nacht“. Zum ersten Schimanski-Kinofilm steuerte Lage den bis heute populären Song „Faust auf Faust“ bei. Seither brachte er zahlreiche Alben – Solo oder mit Bandprojekten – heraus. Lage lebt seit 2008 in Bremen. Seit 2014 ist er ehrenamtlicher Botschafter der Seenotretter.

In Oldenburg ist Klaus Lage am Mittwoch, 27. Februar, 20 Uhr, in der Kulturetage (Bahnhofstraße 11) mit seinem Solo-Programm „Ich bin viele“ zu sehen. Karten gibt es unter Telefon   924800 und über :

www.klauslage.de

https://kulturetage.reservix.de/events

Frage: Ihr aktuelles Programm trägt den Titel „Ich bin viele“. Wer sind Sie alles?

Klaus Lage: Viele. Sie sind ja auch nicht nur nett, sondern auch mal kratzbürstig, traurig, melancholisch. Jeder ist vielseitig. Alles steckt in jedem drin. Darum geht es auch im gleichnamigen Song, den ich für die Platte „Blaue Stunde“ geschrieben habe. Für mich ist das ein wichtiges Thema. Ich will damit auch zum Ausdruck bringen: Ich habe nicht nur auf einem Hit rumgejuckelt. Ich mache ganz unterschiedliche Dinge. Letztes Jahr habe ich eine Big-Band-CD veröffentlicht, war im Akustikquartett auf Tour und werde dieses Jahr mit der klassischen Rockband auf dem einen oder anderen Festival zu sehen sein. Jetzt im Februar geht es aber erst mal solo los.

Frage: Mögen Sie das lieber?

Klaus Lage: Das kann man nicht vergleichen. Obst ist lecker. Aber Bananen und Apfelsinen schmecken unterschiedlich. Ich finde alle Projekte spannend. Die Solo-Konzerte sind immer ein Zurückkehren zu den alten Wurzeln. Da kommt so eine Sehnsucht auf. Man spürt, wie die Lieder entstanden sind und das alles angefangen hat. Einfach mit Gitarre. Und die Solo-Konzerte sind immer sehr persönlich und intim – selbst vor 400 Leuten, wie in der Kulturetage.

Frage: Schreiben Sie alle Songs selbst?

Klaus Lage: In den letzten 20 Jahren fast alles.

Frage: Wie und wo?

Klaus Lage: Es gibt immer so Phasen. Letztes Jahr hatte ich wenig Auftritte. Da hatte ich Zeit, Ideen zu sammeln, mich auf die Suche zu begeben. Ich bemühe mich immer, erst den Text zu schreiben und ihn dann zu vertonen. Wenn das nicht klappt, gebe ich ihn meinem Keyboarder oder Gitarristen. Die haben dann manchmal die zündende Idee. Das Schreiben ist natürlich auch mit Disziplin verbunden und mit Fleiß. Zuallererst sitzt man nämlich vor einem weißen Blatt Papier.

Frage: Haben deutschsprachige Musiker es heute leichter als zu Ihren Anfängen?

Klaus Lage: Das mit dem Deutsch-Rock hat sich Ende der 70er, Anfang der 80er manifestiert. Davor gab es ja eher Schlager. Udo Lindenberg hat da viel bewegt. Und dann kamen Grönemeyer, BAP und unter anderem ich. Inzwischen ist bei den jungen Musikern angekommen, dass man sich in seiner Muttersprache viel differenzierter ausdrücken kann. Natürlich ist es mit deutschen Texten schwieriger, international Erfolg zu haben – in Japan oder Australien kommt das nicht so an. Da muss es halt Englisch sein.

Frage: Gibt es nach 40 Jahren auf der Bühne noch Ziele und Wünsche?

Klaus Lage: Mein innigster Wunsch ist es, weiter auftreten zu können. Ich kann nicht klagen. ich bin großen Stadien und Hallen aufgetreten, stand im Rampenlicht. Heute bin ich nicht mehr ganz im Fokus, aber noch genug. Und mir redet keiner rein. Auch keine Plattenfirma. Nein, so, wie es ist, gefällt es mir – ich habe ein erfülltes Leben gehabt. Mit allen Höhen und Tiefen.

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Lea Bernsmann Redakteurin / Redaktion Oldenburg
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