OLDENBURG Mozarts Requiem, am 5. Dezember 1791 unvollendet hinterlassen und vom Vocalforum Oldenburg jetzt in der übervoll besetzten Forumskirche St. Peter aufgeführt (bei freiem Eintritt), hat die Fantasie der Nachwelt wie kaum ein zweites Werk der Musikgeschichte beschäftigt.

Die Tatsache, dass das Requiem Mozarts letzte Komposition war, die ihn noch auf dem Sterbebett bewegte, hat dem Werk die menschliche Tragik verliehen und beim Hören seit nun über 200 Jahren dem romantischen Schauer und der Verkennung der eigentlichen Ausdruckshaltung des Werkes Vorschub geleistet; und die beunruhigende Rolle von Mozarts Schüler Süßmayr, der das Werk notdürftig vollendete und dessen Anteil an der Komposition bis heute nicht ganz klar abgrenzbar ist, hat die Forschung seit weit über 100 Jahren beschäftigt.

Vor diesem Hintergrund erhielt die Aufführung eines Werks, dem der Tod die letzte Vollendung verwehrte, an der Schwelle zum Totensonntag einen besonderen Sinn, korrespondierten die Wortbeiträge Klaus Hagedorns vom Forum St. Peter, Reflexionen über Begrenztheit des Lebens, Sehnsucht und Heimkehr, mit diesem mancherlei Fragen stellenden Stück.

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Man wird das „Vocalforum“, diesen sympathischen, allen geöffneten Chor, nicht mit Spitzenensembles vergleichen wollen. Aber er zeigte, von Manfred Klinkebiel inspiriert und befeuernd geleitet, wie staunenswert er an einer großen Aufgabe wachsen kann – seiner ausgeglichenen und oft überraschend reifen, von echter Anteilnahme spürbar erfüllten Leistung wird man die höchste Anerkennung nicht versagen.

Klinkebiel, dem man eine präzis formende, stets auf großen Ausdruck bedachte Arbeit bescheinigen kann, sieht auf flüssige Tempi und ausgeglichenen Klang, auf Dramatik und Plastizität polyphoner Struktur, weniger vielleicht auf detaillierte Pianowerte (die auch erreichbar sein müssten). Trotz kleiner Unebenheiten: eine eindrucksvolle Aufführung, die zumindest die Energie, das Feuer und die Würde des Werkes glücklich realisieren konnte.

Technisch makellos, gewinnend und stilvoll im Ausdruck: Gertraude Spier (Sopran), Angelika Schulz (Alt), Daniel Ohlmann (Tenor) und Lothar Littmann (Bass). Das Schlossorchester zeigte angemessene Klangfülle, Einfühlung und, mit Ausnahme des Posaunensolos im „Tuba mirum“, Präzision.

Den Kontrapunkt, dem Konzertmotto „Zwischen Tod und Leben“ entsprechend, lieferte Bachs d-Moll-Konzert für zwei Violinen und Orchester. Die wohlabgestimmten Solisten – Norbert Ternes mit vitalem Ton, Gabriella Patterson etwas zurückhaltender, dafür mit ebenso feiner und eleganter Phrasierung – erfüllten den virtuosen Anspruch des Werkes perfekt.

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