Oldenburg Manches, was für die Weihnachtszeit geschrieben oder komponiert wurde oder auch nur die Weihnachtszeit behandelt, enthält Melodien, Lehren, Ratschläge, Bedenkliches, das auch außerhalb der Weihnachtszeit seine Berechtigung hat und gefallen kann.

Jens Ochlast als Vorleser hatte neben der berühmten Passage aus dem Lukas-Evangelium („Es begab sich aber zu der Zeit …“) sechs weitere Weihnachtsgeschichten mitgebracht, die er mit teils leiser, teils verschwenderischer Ironie während des dritten Kammerkonzerts im Staatstheater dem gebannt lauschenden Publikum vortrug.

Loriots „Advent“ im Forsthaus ist schon etwas makaber, Wolfgang Borcherts „Die drei dunklen Könige“ spielen nach dem letzten Krieg und machen betroffen, wohingegen Ephraim Kishons „Vertrauen gegen Vertrauen“ ein reines Vergnügen war und zu kollektiven Lachattacken reizte.

Die Weihnachtsgeschichten waren eingebettet in Kammermusik für Streicher; Cordula Mansel und Rolf Seeber (Violinen), Rüdiger Kuntz (Viola), Norbert Körner (Violoncello) und Rolf Santo (Kontrabass) spielten als Quintett oder auch als Streichquartett insgesamt zehn klangschöne Häppchen wie Händels „Ankunft der Königin in Saba“ und Bachs „Ehre sei Gott“ – natürlich für Streicher eingerichtet.

Was die Musiker aber wirklich zu leisten in der Lage sind, ließ sich eher der zum Quartett umgearbeiteten Wiedergabe der Ouvertüre c-Moll von Franz Schubert und dem abschließenden Divertimento D-Dur KV 136 von Mozart ablauschen. Es stimmte das Zusammenspiel und bei leicht im Vordergrund stehenden Geigen entfaltete das Ensemble eine angenehm-heitere, ganz entspannt daherkommende Abfolge musikalischer Einfälle.

Die witzige, anarchoide Weihnachtsgeschichte „Die Falle“ von Robert Gernhardt war so lang, dass die Musik „Christmas Day“ von Gustav Holst zwischen einzelne Textblöcke aufgeteilt wurde und machte, dass das in einer großbürgerlichen Villa in Berlin-Dahlem spielende Weihnachts-Happening auch stilistisch sich dem Melodram oder der Moritat annäherte.

Das war sozusagen großes Kino (für die Ohren) und durch den Patzer – eine Folgeseite der Geschichte war zuerst nicht einmal aufzufinden – umso authentischer.

Glücklich die Eltern, denen bei der festlichen Inszenierung für die lieben Kleinen immer alles gelingt! In diesem Sinne: Ein frohes Weihnachtsfest!

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