Oldenburg Wehrmachtskaserne, Flüchtlings- und Heimatvertriebenenunterkunft, Bundeswehrkaserne, Dienstleistungszentrum: Die ehemalige Hindenburg-Kaserne an der Cloppenburger Straße hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Der verstorbene Schauspieler und Entertainer Peter Frankenfeld hat 1940 als Soldat in ihr gelebt, nach dem Krieg spielten Kinder der Vertriebenen in ihr und gingen darin zur Schule und in den Kindergarten, der damalige Verteidigungsminister Franz-Josef Strauß nahm 1960 vor der Kaserne eine Militärparade ab. Die Hindenburg-Kaserne hat bis zu ihrem Teilabriss viel erlebt.

Zeitzeugen erzählen

Die Filmemacher Norbert Pollack und Gerold Kehmeier haben die Geschichte in einer (nicht käuflichen) Dokumentation festgehalten, die sie jetzt Freunden und Bekannten vorstellten. Zu Wort gekommen sind vor allem Zeitzeugen aus den Nachkriegsjahren, die sich lebhaft zurückerinnern. An die zerschossenen Blocks etwa, oder an die Ställe fürs Kleinvieh, die Schlachtung von Schweinen in der Waschküche, und an Pfarrer Joseph Uchtmann, der sehr beliebt in der Gemeinde war: Alle konnten zu ihm zu jeder Zeit und mit jedem Problem kommen – der Pfarrer kümmerte sich. Und Margot Stange, die für die Kleinen als Kindergartenleiterin so etwas wie eine zweite Mutter war.

Die Kinder haben trotz aller Entbehrungen eine schöne Kindheit erlebt. Wenn in den 1950er-Jahren Weihnachten war und sich alle Rollschuhe wünschten, wurden die am nächsten Tag gleich auf dem ehemaligen Kasernenhof ausprobiert. Die Kinder und Erwachsenen trafen sich oft auf den langen Gängen der Blocks und sprachen oder spielten miteinander. Der Zusammenhalt unter den Menschen war riesig. Vor allem deshalb ist ihnen das Leben in der Kaserne wohl relativ leicht gefallen und in angenehmer Erinnerung geblieben.

Bataillon aufgelöst

Mit der Auflösung des Fernmeldebataillons 11 endete vor 21 Jahren das Fernmeldekapitel in der Standortgeschichte der Stadt Oldenburg. Gleichzeitig wurde auch das Ende der Hindenburg-Kaserne an der Cloppenburger Straße eingeläutet. Norbert Pollak (64) und Gerold Kehmeier (64) haben unter dem Herstellernamen „Oldenburg-Film“ eine 45-minütige nichtkommerzielle Filmdokumentation erarbeitet. „Da steckt viel Mühe drin“, wissen die beiden Hobbyfilmer, die ein Jahr lang nahezu täglich mehrere Stunden daran gearbeitet haben.

Pollak hat die Amateurfilmerei schon vor vielen Jahren zu seinem Hobby gemacht. Mehrfach wurden seine Filme ausgezeichnet. Er ist Vorsitzender des Oldenburger Videoclubs „Flash Off“ und des Landesverbands Niedersachsen der Film- und Video-Autoren (LNFV).

Sein Kollege Gerold Kehmeier sammelte Filmerfahrung beim Lokalsender Oeins. Dort war er mehrere Jahre lang für die Sportsendung „Kick off“ zuständig. Der frühere Polizeibeamte, dessen Mutter aus Schlesien stammt, kennt die „Flüchtlingssiedlung Kreyenbrück“ aus eigenem Erleben. Anfang der 1950er-Jahre lebte er dort mit seiner Familie.

In der 1934/35 erbauten Kaserne lebten zwischen 1945 und 1958 bis zu 480 Familien – vielfach auf engstem Raum. Auch einen Gewerbehof gab es in der Kaserne. Zu den ersten Betrieben gehörte das Lebensmittelgeschäft von Kurt Bartsch. Weitere Flüchtlinge folgten seinem Beispiel. Dazu gehörte u. a. der aus Ostpreußen stammende Fleischermeister Erich Didszun.

25 Hektar Fläche

Ab 1958 wurde die Kaserne wieder militärisch genutzt. Es wurden darin die Soldaten des Fernmeldebataillons 11 und des Feldartilleriebataillons 111 untergebracht. Nach einem Appell auf der Dobbenwiese zogen die Einheiten unter großer Anteilnahme der Bevölkerung durch die Stadt. In den 1990er-Jahren folgte im Zuge der Heeresstrukturreform der sukzessive Abbau der Truppeneinheiten.

Die Stadtverwaltung sah große Entwicklungspotenziale. Die 25 Hektar große Fläche wurde zum größten Teil für die Ansiedlung von Gewerbe und den Bau von Wohnungen genutzt. Acht Hektar beanspruchte die Justizvollzugsanstalt für ihren Neubau.

Teile der Kaserne wurden 1997 abgerissen, die EWE nutzt mehrere ehemalige Kasernenblöcke, die aufwendig saniert wurden. Aus der Hindenburgkaserne hat sich ein modernes Dienstleistungszentrum entwickelt. Auch das dokumentiert der Film.

Thomas Husmann Redakteur / Redaktion Oldenburg
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