Oldenburg Die Erzählung „Die Verwandlung“ (1912) von Franz Kafka ist eine Art Psychogramm des arbeitsamen jungen Mannes Gregor Samsa. Eines Tages verwandelt er sich zu einem monströsen Parasiten, auf dem Eltern und Schwester fortan herumtreten. Die junge Regisseurin Krystyn Tuschhoff, die für das Staatstheater auch schon „Demian“ von Hermann Hesse eindrucksvoll in Szene setzte, hat sich des Stoffes angenommen und ein Theaterstück daraus gebaut.

Die Metamorphose von Gregor Samsa sei aktueller denn je, findet sie: „In unserer Leistungsgesellschaft können viele Menschen dem Druck nicht mehr standhalten und entziehen sich ihr.“ Bezeichnungen wie Burn-Out und Mobbing beschreiben heute, was Kafka vor über hundert Jahren mit einer verblüffend einfachen Metapher veranschaulichte. „Wenn ein Mensch seiner Rolle nicht mehr gerecht und sozial intolerabel wird, hat das dramatische Folgen“, erläutert Dramaturg Matthias Grön: „Die Familie ist hier als kleinere Einheit der Gesellschaft zu sehen.“

Neben dem gesellschaftlichen Aspekt assoziiert die Regisseurin die Verwandlung außerdem mit dem Heranwachsen eines jungen Mannes. „Wird er von außen stigmatisiert oder macht er sich selbst zum Außenseiter?“, sind Fragen, die sie herausstellen will.

Dazu schickt sie vier Erzähler und einen Live-Musiker auf die Bühne der Exerzierhalle. Sebastian Herrmann, Gilbert Mieroph, Sarah Bauerett und Caroline Nagel transportieren die Seelenzustände von Gregor Samsa, dessen Schwester, Eltern und Chef nach außen. Markolf Naujoks untermalt das ungeheuerliche Geschehen mit Gitarre und Gesang. In ein Käferkostüm schlüpfe derweil keiner, versichert Ausstatterin Uta Materne. Allerdings hat sie in ihr museal-naturkundlich anmutendes Bühnenbild allerhand totes Krabbeltier eingebaut. Der Bühnenraum verwandele sich im Laufe des rund 75-minütigen Abends, sagt sie, genau wie die Stimmung und die Seelenzustände der Mitspieler.

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