OLDENBURG OLDENBURG - Das jüngste Konzert der Kammersinfonie Oldenburg, des rührigen Liebhaber-Orchesters, war ein Ereignis besonderer Art. Seinen ersten Ausflug in die Moderne hat das Orchester mit einem Kompositionsauftrag an Gustavo Becerra-Schmidt, den ehemaligen Hochschullehrer in Oldenburg, dokumentiert; eine rumänische Gastdirigentin, die Komponistin und Pianistin Rucsandra Popescu, hatte die Leitung dieses Konzertes im Schloss kurzfristig übernommen.

Rucsandra Popescu, in Bewegung und Gestik eher statisch, sieht auf Akkuratesse und Klarheit des Ablaufs; geschmeidig fließende Eleganz, die große Bögen atmend erschließt, ist ihre Sache (noch) nicht. Von ihrer Zuverlässigkeit, auch in der Einstudierung, profitierte jedoch schon Beethovens Ouvertüre zu „Die Geschöpfe des Prometheus“, obwohl etwas kantig und in den Tutti recht scharf musiziert. Ebenso profitierte Becerra-Schmidts Klarinettenkonzert (2006), das im Mittelpunkt des Abends stand.

Das freitonale Konzert mischt im Orchesterpart Stilelemente der Tradition und der mittleren Moderne (rhythmisch wie orchestral ist es oft nahe bei Strawinsky). Orchestertextur und ein technisch höchst avancierter Solopart – vertrackt, kantabel und expressiv, mit „extremen“ Klangelementen des Überblasens versetzt – fügen sich aber stets zu lebendiger Einheit. Insgesamt ist die „symphonische“ Integration beider Parts, reich an klanglich aparten Finessen und grellen Effekten, trefflich gelungen.

Mit überlegener Technik, Sinn für intrikate melodische Linien, modulationsreich in Ton und Ausdruck spielte Andrea Lorenz (Klarinette) ihren Part; das Orchester, an der Grenze der Leistungsfähigkeit balancierend, hat den Anspruch des Werks – dank der mit großer Sorgfalt betriebenen Leitung der Dirigentin – achtunggebietend erfüllt.

Raffs serenadenhaft freundliche und routinierte, gelegentlich virtuose und witzige Sinfonietta für zehn Bläser op. 188 wurde mit hohem Elan und präziser Phrasierung, wiewohl klanglich ein wenig ungepflegt, musiziert. Bei Dvoráks Slawischen Tänzen gab es neben dem ausgelassenen Temperament auch Momente, in denen der große Impuls leicht gebremst war.

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