Oldenburg Für den ungarischen Komponisten Béla Bartók waren „unsere echten, im engeren Sinne genommenen Volksmelodien samt und sonders wahre Musterbilder höchster künstlerischer Vollkommenheit.“ 1910 bis 1912 sammelte Bartók mit Zoltán Kodály in und um Belenyes in Rumänien Tanzmelodien, die er 1915 zur Komposition „Rumänische Volkstänze“ bearbeitete.

Diese sieben Tänze gibt es in verschiedenen Instrumentierungen, die Fassung für Orchester erklang am Sonntag in einem der traditionell im Festsaal des Schlosses stattfindenden Konzerte der Kammersinfonie unter der Stabführung von Olaf Wiegmann. Der Volkstümlichkeit der im Volk entstandenen Tanzmusik stellte das Programm mit Mozarts Klarinettenkonzert A-Dur KV 622 eine andere Volkstümlichkeit an die Seite: Komponiert von einem genialen Einzelgänger, aber bei aller Formvollendung doch ein Werk, das durch seine heitere Stimmung und die wunderbaren Melodien jeden Hörer anspricht: Klassische Musik, die auch für weniger geschulte Ohren zugänglich ist.

Die junge, aus Oldenburg stammende und momentan bei Sabine Meyer in Lübeck studierende Klarinettistin Ramona Katzenberger spielte ihren Solopart sehr gelassen und wie selbstverständlich, ließ sogar bei feinen Nuancen ein wenig Scherz und Ironie aufblitzen. Natürlich bekam sie, Jahrgang 1996, besonders viel Applaus für ihre schöne, für die Zukunft noch Großes versprechende Leistung.

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Die 7. Sinfonie von Beethoven war für Adorno die „Symphonie par excellence“, das unerreichte Modell einer klassischen Sinfonie. So formvollendet sie auch sein mag, für Beethoven war sie nicht nur absolute Musik. In ihr werden auch die zeitgenössischen Ereignisse des Behauptungskampfes der Völker gegen Napoleon verhandelt. Beethoven ließ sie im Februar 1814 zusammen mit dem Schlachtengemälde „Wellingtons Sieg“ in einem Benefizkonzert zugunsten der Verwundeten der Leipziger Völkerschlacht aufführen. Die Volkstümlichkeit dieser Musik entstand weder im Volk noch ist sie dem Volk leicht zugänglich, diese Musik verhandelt auf einer Metaebene Widerstand und Beharren des Einzelnen und des Volksganzen. Die Kammersinfonie unter der Leitung von Olaf Wiegmann agierte deutlich beruhigter und ziviler, als es die den Extremen zuneigende Komposition intendierte.

Im aristokratisch-verspielten Festsaal fehlte der Musik jede Militanz und tödlicher Ernst. Mit eher ruhigen Bewegungen entlockte Wiegmann seiner stark besetzten Kammersinfonie schöne Musik in klassischer, vollendeter Form. Für Radikales und Grundstürzendes war diesmal kein Platz.

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