Oldenburg So oft auch das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach in der Vorweihnachtszeit aufgeführt wird: keine Aufführung gleicht einer anderen, das umfangreiche Werk lebt von der speziellen Atmosphäre des Aufführungsortes, von den Umstände, den Zuhörern und natürlich auch von den vielen beteiligten Musikern. Manche Zuhörer fanden in der bis auf den allerletzten Platz gefüllten Forumskirche St. Peter keinen Platz und kehrten enttäuscht um. In den Gängen standen Menschen dicht an dicht.

Energische Leitung

Nach einer kurzen Einführung von Pastoralreferent Klaus Hagedorn sang der Chor, zusammengesetzt aus dem St.-Willehad-Chor, der Mädchenschola und dem Kammerchor St. Marien, den berühmten Anfang „Jauchzet, frohlocket“ so federnd-rhythmisch, energisch, forciert, vor allem eindringlich, wie es nötig ist, die ungeteilte Aufmerksamkeit des Auditoriums von Beginn an zu fesseln. Und diese Atmosphäre einer vitalen Aufführung konnte von den ersten Tönen bis zum abschließenden Choral „Nun seid ihr wohl gerochen“ durchgehalten werden. Manuel Uhing leitete den Gesamtchor und die großartig aufspielende Kammersinfonie Bremen energisch, fordernd, ließ an einigen Stellen ungewohnt temporeich agieren, während die bekannten Choräle eher breit und eindringlich gesungen wurden. Manchmal stimmte die Balance von Chor und Orchester nicht mehr, vor allem die sehr delikat eingesetzten Holzbläser hatten Schwierigkeiten, gegen den massiven Chor anzukommen.

Solisten harmonierten

Dafür gelangen die ariosen Abschnitte, die von Bach für einen oder mehrere Sänger mit einem oder mehreren Instrumenten mit großem Gespür für einen farbigen Klangzauber gesetzt sind, umso schöner. Das Solisten-Quartett harmonierte untereinander und mit dem Chor. Lothar Littmann mit würdevollem Baß, Max Ciolek sang die Rezitative als erzählender Evangelist mit großer Souveränität und bewundernswert textverständlich, Silvia Mödden erschloss mit ihrer etwas verhaltenen Altstimme den herzlichen, warmen, innigen Charakter der Arien sehr überzeugend. Wenn auch der Sopran im Weihnachtsoratorium nicht viel zu singen hat, so vervollständigte Stephanie Kühne mit ihrer frischen, hellen Stimme das Quartett aufs Vortrefflichste.

Von den sechs Kantaten erklangen die erste, dritte, fünfte und das letzte Rezitativ und der letzte Choral des ganzen Werkes. Mehr wäre hier weniger gewesen. Nach etwa hundert Minuten war Schluss, löste sich die Anspannung in Triumph und Jubel. All das wirkte durchdacht, gut einstudiert und mit viel Liebe und Begeisterung vorgetragen. Und genau das macht ein gelungenes Weihnachtsoratorium aus.

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