Oldenburg Mehr Gummistiefel als sonst, gute Musik und die lustige Geschichte von „Quentin Qualle“ – der Sonntagvormittag im PFL: Draußen regnet es Bindfäden und drinnen singt Heinz-Rudolf Kunze, der Schirmherr der Kibum, mit Autor Jens Carstens und Illustratorin Julia Ginsbach die Lieder ihrer Kinderbuchreihe „Quentin Qualle“ – über Mut und Hilfsbereitschaft einer abenteuerlustigen Qualle, warmherzig und voller Wortwitz. Die Lieder gehören als CD zum Buch.

Aber Kunze ist hier nicht nur deshalb auch als Schirmherr vollkommen richtig. Der Rocksänger und Liedermacher, der seinen ’85er-Hit „Dein ist mein ganzes Herz“ angesichts seines ansonsten weniger schlichten Werks als „Unfall“ bezeichnet, hat 13 Bücher geschrieben. Er ist gelernter Deutschlehrer. Und er schwört auf die Kraft guter Kinderbücher, weil er sie selbst an sich erlebt hat. Bei einer Tasse Kaffee, zwischen neuen Büchern wie „Max und die wilde 7“, „Nur Mut, Anton!“, „Endlich wieder zelten!“ und „Kugelblitz in Istanbul“ sagt der 58-Jährige: „Ich war als Kind eine ausgeprägte Leseratte. Lange bevor ich Jimi Hendrix und The Who entdeckte, hat Lesen mir geholfen, aus meinem Kinderzimmer zu entfliehen – mit Astrid Lindgren, Otfried Preußler und Michael Ende. Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer, das ist Weltliteratur, das hat ein Niveau wie sonst nur Winnie Puuh – auf verschiedenen Ebenen großartig für Kinder und Erwachsene.“ Die Erfindung des Scheinriesen Tur Tur sei gar nicht hoch genug zu schätzen – „eigentlich eine der größten Gestalten der Weltliteratur“, auch wegen der Botschaft, wie scheinbar Übergroßes beim unerschrockenen, näheren Betrachten auf sehr menschliches Maß zusammenschrumpfe.

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Also ist die nächste Antwort kein Wunder: Wenn er zwei Kinderbücher als größte Tipps nennen müsste? „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ und „Jim Knopf und die wilde 13“. Michael Ende ist ein Genie gewesen, diese einfache holzgeschnitzte Art, das ist ein genialer Wurf. Sowas schreibt man nur einmal im Leben.“ Aber auch Pippi Langstrumpf bleibt für ihn ewig: „Ich weiß nicht, wie oft ich als kleiner Junge die drei Bände gelesen habe, bestimmt 50 mal.“ Im besten Sinne mit dieser geheimnisvollen, fantasievollen Welt „infiziert“ hat ihn sein erstes Theatererlebnis als Kind: Peterchens Mondfahrt.

Kunze wirbt dafür, all diese guten Geschichten weiterzugeben: „Keine technische Verspieltheit ändert etwas an der überragenden Kraft dieser Geschichten, von den griechischen Sagen über Grimms Märchen bis zu den Klassikern der modernen Kinderliteratur. Es würde mich sehr traurig machen, wenn Kinder das nicht mehr verstehen würden.“

Kunze ist aber auch der Richtige, um für die Verbindung mit der Musik zu werben, wie die „Kibum“ es in diesem Jahr tut: „Musik ist gut, um ein erfülltes Leben zu haben. Ich bin froh, dass meine Eltern nicht auf mich hören wollten, als ich den Klavierunterricht abbrechen wollte. Die ersten fünf Jahre habe ich gehasst, aber die letzten drei habe ich verstanden, dass das etwas mit mir zu tun hat. Ich konnte da etwas machen, das von mir kam.“ Dafür müsse man auch kein Profimusiker sein: „Musik stärkt die Wahrnehmung, schärft die Sinne, sie bereichert und macht uns zu einem kompletteren Menschen.“

Und dann setzt er sich auf die Bühne und entführt Kinder und Eltern für kurze Zeit in eine heitere Quallenwelt, mit leisen Zwischentönen, die auch den Großen gefallen. „Den Kindern hat’s super gefallen – und uns auch“, sagt Jens-Peter Hesemann. Und auch Sylvia Scharffetter-Schönfisch, die mit Elisa (7) und David (5) hergekommen ist, sagt: „Natürlich kannten die Kinder Heinz-Rudolf Kunze bisher nicht. Aber das war schon schön.“

Genauso wie am Nachmittag das ausverkaufte Quentin-Qualle-Konzert in der Kulturetage und Kunzes aktuellem Soloprogramm am Abend. Beste Stimmung herrschte da auch bei den Kibum-Machern. Programm-Chefin Regina Peters: „Es ist schon jetzt gefühlt die erfolgreichste Kibum, die wir jemals hatten.“

Karsten Röhr Redakteur / Redaktion Oldenburg
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