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OLDENBURG In einem 50-minütigen Konzertprogramm beschränkte sich das Kammerorchester St. Lamberti auf ein überschaubares Programm mit zwei eher selten gespielten Werken für Streicher. Die St. Paul’s Suite von Gustav Holst lässt nur Streicher hören, das Konzert für zwei Cembali und Streichorchester BWV 1061a von Johann Sebastian Bach ist in der Originalfassung nur für zwei Cembali, in einer späteren Abschrift aber als Konzert mit Streicher-Ripieno und Basso continuo überliefert, wobei der mittlere Satz auch in dieser Überlieferung ganz ohne Streicher auskommt. Bach als der eigentliche Erfinder des Klavierkonzerts fand im professionell agierenden Laien-Kammerorchester St. Lamberti unter der Leitung von Tobias Götting, der zu beiden Werken instruktive einführende Worte fand, einen kompetenten und überzeugenden Sachverwalter.

Nicht eine mikrologisch werktreue Aufführungspraxis eines barocken Meisterwerks, sondern die Vergegenwärtigung einer großen intellektuellen und sinnlich ansprechenden Werkidee stand im Fokus der Bemühungen. Die zwei Cembalisten, Karl-Ernst Went und Tobias Götting, konzertierten dicht und spannend miteinander, wobei die schwierigen und technisch anspruchsvollen Teile dem ersten Cembalo gehörten: vermutlich hatte Bach diesen Part für sich komponiert und den des zweiten Cembalos für einen Sohn oder einen Schüler. Karl-Ernst Went überzeugte hier durch technisch perfektes und ausdrucksstarkes Spiel. Die polyphonen Strukturen werden durch die hinzutretenden Streicher noch vertieft, was aber keineswegs gelehrt und spröde, sondern sehr expressiv und vital wirkt und sich zudem gegen Ende insofern löst, als plötzlich die thematischen Strukturen ziemlich klar hervortreten – ein Bach’sches Meisterwerk in einer feinen, inspirierten und inspirierenden Deutung.

Gustav Holst war viele Jahre Musiklehrer an einem Mädchengymnasium im Londoner Stadtteil Hammersmith. Für diese St. Paul’s Girl School schrieb er eine Suite op. 29,2 für Streicher. Diese Suite in vier Sätzen nimmt Themen der englischen Volksmusik auf und verarbeitet sie originell. Die Verschränkung eines vitalen Volkstanzes von 1651, dem Dargason, mit dem noch älteren Traditional Greensleeves, ist von der Idee und der tatsächlich erzeugten Wirkung her sehr gelungen.

Auch andere Passagen, so etwa das kantilenenhafte, ausdrucksstarke Adagio im Intermezzo, nur von der Sologeige (Imke Glockauer-Götting) gespielt, oder das flirrende, monotone Thema in den zweiten Geigen im Ostinato, über das sich die anderen Stimmen melodisch und ausdrucksstark aufbauen, ließen ein vielgestaltiges, immer wieder positiv überraschendes Werk in einer engagierten und überzeugenden Wiedergabe hören. Kein Wunder, dass die zahlreichen Zuhörer minutenlang applaudierten und nach einer Zugabe verlangten; das sehr charakteristische, unverwechselbare Ostinato aus der St. Paul’s Suite ließ effektvoll und gekonnt ein kurzes, sehr vergnügliches Konzert entstehen.

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