Oldenburg Im Gegensatz zur Matthäus-Passion von Johann Sebastian Bach verkörpert Jesus in der Johannes-Passion den entsagungsvollen Sohn, der ohne Hader und ohne Furcht den Willen des Vaters erfüllt.

Das hat Bach in seiner Genialität durch tröstliche und ruhige Chor- und Solopassagen umgesetzt, gelegentlich klingen opernhafte Töne an. Selten erhebt sich Aufruhr, so z.B. bei Petrus’ Reue oder dem Erdbeben mit zerrissenen Felsen.

Tobias Götting als Leiter hat diesen Gesamteindruck verstärkt durch authentische Herabsetzung der Stimmung auf 415 Hz. Das ergibt mit dem Ensemble La dolcezza auf historischen Instrumenten den erwünschten warmen Klangteppich. Die barocke Stimmung kam auch dem Lamberti-Chor zugute.

Das stets zurückhaltende Dirigat von Tobias Götting, der seine Sänger und Sängerinnen unkonventionell aufgestellt hatte, führte den Chor zu Höchstleistungen an ausgefeilter Dynamik mit äußerster Zurücknahme als Begleitung der Arie Nr. 32.

Tenor Max Ciolek verkörperte den Evangelisten schlichtweg wunderbar. Er berührt als singender Erzähler, vermag sich in die Seele der Menschen hineinzuversetzen. Das gilt auch für Monika Mauch. Sie durchlitt mit ihrem zauberhaften Sopran auch mimisch das bittere Leiden Jesu. Von der Rollenverteilung hatte es Bassist Christian Immler leichter. Er durfte mit seinem warmen Timbre als Pilatus den einzigen Menschen verkörpern, der für Jesus eintrat.

Diesen wiederum verkörperte Bassist Harry van der Kamp kraftvoll selbst noch in der Todesstunde Jesu. Umso frappierender gelang die zarte Interpretation des Evangelisten: „Und neigte das Haupt und verschied“.

Auch Vanessa Barkowsky durchlebte mit ihrem klangvollen Alt in der Arie Nr.30 alle Höhen und Tiefen der Passion.

Ergriffen dankten die Zuhörer Tobias Götting für das hervorragende Konzert, er und sein Lamberti-Chor bereichern jedes Mal aufs Neue die Oldenburger Musikwelt.

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