Oldenburg Die Rolling Stones haben es hinter sich, Udo Lindenberg bereitet sich allmählich drauf vor – und mittendrin steckt Kalle Popp. Der Gitarrist, Bassist und Sänger feiert derzeit das Jubiläum 50 Jahre auf der Bühne. Der Geist, der ihn 1966 unwiderstehlich zur Rockmusik hinzog, steckt weiter in dem Oldenburger. „Wenn ich zwei Wochen lang keine Musik gemacht habe, werde ich unruhig“, gesteht der 68-Jährige. Dass ein Mann mit dem programmatischen Namen Popp nicht – wie geplant – Psychologe werden würde, stand früh fest. Der Hamburger Gymnasiast stieg als 16-Jähriger bei der Schulband „The Cinders“ ein und coverte mit Hingabe die Hitparaden-Lieder der „Kinks“. Das war noch Hobby, reichte aber, um Kalle Popp mit dem Virus Beat- und Rockmusik zu infizieren. Das Abitur wurde zwar noch gebaut, doch gleichzeitig ging der junge Gitarrist die Sache halbprofessionell an: Bei „Blues Taxi“ (ab 1966) und „The Beathovens“ sammelte er in den Hamburger Clubs erste Erfahrungen im Rhythm‘n’ Blues.

Dann erschien Kollege Zufall: „Irgendwann 1969 wurde ich gefragt, ob ich einer Band aus der Patsche helfen könnte, deren Gitarrist abgehauen war, vor einem Konzert im Star Club. Ich sagte zu, erschien auf der Reeperbahn – und staunte: Ich spielte mit der heute völlig vergessenen Monday Band, und die kam aus England“, erzählt Popp.

Swinging London

England, das gelobte Land, auch für Popp: Die Briten hielten Kontakt mit dem jungen Mann, der am Konservatorium studierte und Noten lesen konnte, luden ihn nach London ein. „Der Traum aller Musiker wurde wahr!“, meint Popp.

Als Hippie ein Kind seiner Zeit, nutzte der Musiker diese Kontakte und tauchte tief in die Clubszene des „Swinging London“ ein. Er wurde bekannt in Rockkreisen und ließ sich von zahllosen Gruppen buchen für Tourneen durchs Königreich und nach Irland. Wichtiger noch, dass er Alexis Korner, den „Vater des weißen Blues“, kennenlernte und dessen Protegé wurde. „Mit Alexis beim British Blues Festival 1969 die Bühne zu teilen, war ein tolles Erlebnis“, erinnert sich Popp.

Längst Profimusiker geworden und mit besten Referenzen versehen, zog es Karl-Heinz Popp nach einem Jahr zurück an die Elbe. Erste Engagements bei den „Tonics“ und den „City Preachers“ (mit Inga Rumpf und Udo Lindenberg) waren verheißungsvoll – richtig rund ging es für die Elbe-Musiker aber ab 1975 als „Hamburger Szene“. Da spielte Popp Pop und Schlager bei der populären „Rentnerband“, bejubelte mit Peter Petrel, Teufelsgeiger Lonzo Westphal und Gottfried Böttcher die „Hamburger Deern“ (dem größten Hit der Rentnerband).

Oldenburg treu geblieben

Schließlich, 1977, trat Oldenburg ins Leben des Hamburgers. Die Showband Four Kings suchte einen Bassisten und fand ihn in dem technisch versierten Kalle Popp. 20 Jahre lang blieb er der Gruppe treu, noch länger – bis heute – seiner neuen Heimat an der Hunte. Auf Pressebällen und Galas, beim legendären Oldenburger Bockbierfest und anderen Mammut-Partys waren die Four Kings als Gruppe ausgezeichneter Solisten gerngesehene und gut bezahlte Stars. „Doch wenn ich sehe, wie schwer es dem Nachwuchs heute fällt, Geld zu verdienen mit Musik, dann tut mir das sehr weh“, sagt der Gitarrist.

Nachdem er 1997 die Four Kings verlassen hatte, übernahm er eine Vakanz bei der Disco- und Top-40-Band The Convairs (2004-2014), baute zudem eine Show auf mit dem Pianisten und „Dittsche“-Grantler Piggy (Franz Jarnach). Seitdem engagiert er sich in kleineren Projekten wie den „Countrymen“ und aktuell „The Big Three“, unter anderem mit Schlagzeuger Ede Schicke.

50 Jahre auf der Rockbühne haben Kalle Popp (sein Vorbild ist Eric Clapton), der sein Jubiläum erst Anfang des Jahres 2017 mit einem Konzert feiert, geprägt. „London war ein großes kreatives Erlebnis“, sagt er, „Hamburg war unglaublich kommunikativ, und Oldenburg – tja, hier ist es ähnlich, zumindest damals, im Musikclub Blues Corner“. Sei’s drum: Für Kalle Popp ist der musikalische Ruhestand nicht abzusehen.  Am Samstag, 5. November, spielt Kalle Popp als „The Big Three“ zusammen mit Ede Schicke und Frank Jeske Rock, Blues und Soul in der „Tränke“ (Tannenkampstraße 10). Beginn ist um 20 Uhr.

Klaus Fricke
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