OLDENBURG Bernt Wach ist eigentlich routiniert darin, in jedem Frühjahr zu verkünden, dass es dem nächsten Kultursommer schlechter gehen werde als dem vom Vorjahr. Diesmal allerdings sind seine Klagen von neuer Qualität: Hauptsponsor EWE werde 2012 sein finanzielles Engagement einstellen, schon in diesem Jahr gebe es Abstriche bei den Zuschüssen.

Was macht der Leiter der Kulturetage und des Kultursommers aus dieser Zwangslage? Er bleibt Optimist und beauftragt seinen Musikchef Andreas Holtz, nach guten, nach sehr guten Gruppen Ausschau zu halten, die den Auftakt des Festivals bestreiten. Sieben Bands mit internationalem Renommee lassen nun Oldenburg vom 7. bis zum 11. Juli klingen – sieben Bands, die zum Glück keine riesigen Gagen verlangen. Und zwei Tage kürzer sind die Auftaktkonzerte auch.

„Wir werden sicher nicht so weitermachen können wie in den vergangenen 13 Jahren“, blickt Wach auf die Kultursommer-Zeit unter seiner Regie zurück. Ein bis zwei Jahre könne man wohl mit dem kleineren Etat arbeiten, „dann muss die Tendenz gestoppt sein. Irgendwo gibt es eine untere Grenze, die wir nicht überschreiten werden.“

Was das bedeuten könnte, lässt Bernt Wach vorerst offen. Von einem Ausstieg aus dem städtischen Auftrag, den Kultursommer auszurichten, ist in der Kulturetage nicht die Rede. Man wolle sich vielmehr zusammensetzen mit der Stadtverwaltung und über den Ende dieses Jahres auslaufenden Vertrag reden.

250 000 Euro betrug bisher der Kuso-Etat, 100 000 Euro davon kamen von der Stadt. 75 000 Euro gaben private Sponsoren dazu, und 75 000 Euro wurden durch den Verkauf von Karten und Getränken erzielt. Nur der letzte Einnahmeposten dürfte künftig konstant bleiben, die Stadt reduziert ihren Beitrag um fünf Prozent und die EWE als wichtigster Sponsor um zunächst 50 Prozent.

Das Herz des Kultursommers – die internationalen Konzerte – ist unter diesen Bedingungen der Programmteil, der am stärksten leiden wird. Die Ausgaben für Gagen und Sicherheit seien besonders hoch, weitaus teurer als die vermeintlich kostenintensive Technik: „Wir müssen darum noch mehr Neues entdecken“, findet Andreas Holtz. Die Zeiten, da bekannte Musiker wie Mick Taylor, John Cale oder Adam Green beim Kultursommer auftraten, sind dagegen endgültig vorbei.

Klaus Fricke
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