OLDENBURG „Wer Gott vertraut, hat wol gebauet“ – so lautet eine Inschrift von 1745 am Haus von Manfred und Elke Meins in Ipwege. Das Ammerländer Bauernhaus duckt sich tief unter dem schützenden Reitdach, und die Idylle setzt sich im Inneren fort: grün-weiß lackierte Türen, massige Deckenbalken, ein fast mannshoher Kamin, dazu passendes Mobiliar, die Wände voller Bilder, Skulpturen und Bücher, überall Bücher. Und immer wieder Horst Janssen, der Zeichner und Grafiker, der maßgeblich Manfred Meins‘ Berufsleben prägte.

Es gibt Tee mit Kluntjes – und Manfred Meins erzählt. Geboren 1941 in Sande, Schulbesuch in Oldenburg, danach eine Lehre als Bank- und Sparkassenkaufmann und dann der eigentliche Beruf, der zur Berufung werden soll: Buchhändler. Meins beginnt mit einem Volontariat in einer Oldenburger Buchhandlung, und am 1. März 1968 ist es dann soweit. Er eröffnet sein eigenes Buchgeschäft in der Staustraße und gibt ihm den Namen „Tabula“ (Taschenbuchladen).

Taschenbücher hatte damals auch jede andere Buchhandlung der Stadt, jedoch noch nicht ein so vollständiges Sortiment wie Manfred Meins. Kunden waren anfangs vornehmlich Schüler und Studenten. Bereits zu dieser Zeit gab es bei ihm Arbeiten von Horst Janssen, den er noch gar nicht persönlich kannte.

Regelmäßig Lesungen

1974 zog „Tabula“ in den Herbartgang, wo eine deutliche Sortimentserweiterung möglich war: Geistes- und Gesellschaftswissenschaften, Kinderbücher und eine Galerie, in der regionale und überregionale Künstler ausstellten. Regelmäßig gab es Lesungen für Kinder, dazu zahllose Autorenlesungen mit Günter Grass, Erich Fried, Rafik Schami und anderen.

1987 der Umzug vom Herbartgang in einen Hinterhof der Schüttingstraße. „Dort habe ich das gefunden, was mir immer vorschwebte: nicht nur ein Buchgeschäft, sondern ein Refugium, eine „Hof“-Buchhandlung.“ Die „Hof“-Buchhandlung existiert heute nicht mehr. In seiner Blütezeit war „Tabula“ im Hinterhof jedoch eine beliebte Kinder- und Bilderbuchhandlung.

Auch nach der Übergabe des Geschäftes betrieb Manfred Meins noch im Obergeschoss eine Kunstgalerie. Im Mittelpunkt standen Arbeiten von Horst Janssen, mit dem Meins „einige Verrücktheiten“, wie er sagt, erlebte.

Viele Begegnungen

Sein Berufsleben bezeichnet er als „erfolgreich, erfüllt und reich an vielen Begegnungen.“ Aber einen Wermutstropfen gibt es doch. Seine Bewerbung um den „Art-Shop“ im Horst-Janssen-Museum wurde seinerzeit abgelehnt. „Das war der Tiefpunkt meines Berufslebens. Gern hätte ich hier meine jahrzehntelangen Erfahrungen mit Horst Janssen und die gewonnenen Erkenntnisse eingebracht.“ Es ist dann anders gekommen, was ihn bis heute schmerzt.

Das Kunstgeschehen in der Region verfolgt Meins mit großem Interesse, und auch Kunstrichtungen wie die Medienkunst hält er für wichtig. Wie beurteilt er die zurzeit viel diskutierten Online-Bücher und -Lesegeräte wie das neue „Apple iPad“ oder den „Kindle“ von Amazon? „Als das Fernsehen populär wurde, hieß es: Die Menschen werden weniger lesen. Das ist nicht eingetreten. Ich habe keine Angst vor den neuen Medien. Beides wird nebeneinander bestehen.“

Und wie gestaltet jemand, der zeitlebens mitten in Oldenburg geschäftlich tätig war, sein Leben „auf dem Land“ in einem beschaulichen Bauernhaus? „Wir sind Mitglieder in der deutsch-niederländischen Stiftung ,Stichting Het Tuinpad Op – In Nachbars Garten’. Sie bietet Gartenfreunden in Holland und Deutschland die Besichtigung privater, sehenswerter Gärten, und unser Garten gehört dazu.“

Manfred Meins betätigt sich politisch im Vorstand des SPD-Ortsvereins Rastede, ist Mitglied der Kunstvereine in Oldenburg, Rastede und Bremen und selbstverständlich auch von Anfang an im Förderverein des Horst-Janssen-Museums.

Reisen, vor allem nach Italien, stehen immer wieder auf dem Programm von ihm und seiner Ehefrau, mit der er seit beinahe vier Jahrzehnten verheiratet ist.

Zum Abschied meint Elke Meins: „Das Skilaufen hat er aufgegeben. Es wurde ihm zu gefährlich. Da fährt er lieber Motorrad.“ Die Maschine steht aber jetzt noch im Stall und wartet auf den Frühling.

NWZ-Spezial: Informationen & Videos zu Autoren & Büchern aus Oldenburg, dem Oldenburger Land und der ganzen Welt.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.