+++ Eilmeldung +++
Aktualisiert vor 25 Minuten.

A293 in Oldenburg
Spätestens Freitag wieder freie Fahrt auf der Autobahn

Oldenburg Von irgendwo her blubbert eine Tonkaskade sinnlos vor sich hin, die Nebelmaschine spielt verrückt, und die Leute in der Kulturetage unterhalten sich angeregt. Keiner schaut zur Bühne, warum auch? Musiker sind schließlich nicht zu sehen. Eben – bei Fraktus können die Roboter allein musizieren, während ihre Programmierer noch duschen.

Damit man hinterher nicht sagen kann, man hätte es ja nicht gewusst: Fraktus war in der Stadt, und nur etwa 300 Unentwegte waren dabei, als die Elektro-Pop-Legende der frühen 1980er-Jahre, als das innovativ-vordenkende Trio, ohne das von Kraftwerk bis zum Pyrolator nichts möglich gewesen wäre, auch in Oldenburg sein Comeback feierte. 30 Jahre ohne Fraktus, wie konnte die Welt das nur aushalten? Ersatzleute wie Scooter, Stephan Remmler oder Blixa Bargeld sprangen zwar in die Lücke, aber auch sie ziehen jetzt (per Videofilm) ihren Hut ganz tief vor Fraktus. Ohne Bernd Wand, Dirk Eberhard Schubert und Thorsten Bage wären sie, wäre die gesamte computergenerierte Musik eine andere gewesen.

Der Auftritt in der Kulturetage glich darum auch einer Gratisfahrt in der Zeitmaschine. Songs, in denen die elektrischen Schlagzeuge, Sequenzer und tragbaren Orgeln regierten, bewiesen, dass Techno auch per Hand gespielt werden kann. Texte, die teils mit einem Wort auskommen („Bombenalarm“), hätten die Eleven von Fraktus auch nicht besser gereimt. Und wenn die Band dann einen weiteren ihrer größten Hits (war das jetzt „All die armen Menschen“ mit Oldenburg-Bezug, „Affe sucht Liebe“ oder „Computerliebe“?) zum Besten gibt, dann fühlt sich der Zuschauer wie einst im Laserstrahl-Gewitter der Vorstadtdisco.

Um der Wahrheit die Ehre zu geben: Fraktus ist natürlich nur ein großer Spaß und völlig erlogen. Es ist die zunächst fiktive Gruppe zum gleichnamigen Film und damit ähnlich der Familie Popolski oder den Glamrockern von Spinal Tab. Zugleich sind Heinz Strunk, Rocko Schamoni und Jacques Palminger (so die bürgerlichen Namen des Trios) als Musiker und/oder Schriftsteller stark genug, um nicht nur herrlichen Quatsch auf der Bühne zu produzieren, sondern auch hervorragende Kompositionen vorzustellen. Das Gastspiel jedenfalls gefiel über alle Maßen – und alle freuen sich jetzt schon auf das nächste Fraktus-Comeback. In 30 Jahren.

Klaus Fricke
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.