OLDENBURG Fast ein Jahrhundert ist vergangen, seitdem „Die Ratten“ 1911 in Berlin uraufgeführt wurden. Umso erschreckender scheint es, dass die gesellschaftskritische Tragikomödie „auf frappante Weise ins Heute passt“, wie es Dramaturgin Verena Vollertsen formuliert.

Thematisch bedürfen „Die Ratten“ kaum einer Übersetzung ins 21. Jahrhundert. Eine morsche Gesellschaft bietet den Nährboden dafür, dass Kinder in Armut verwahrlosen, während betuchtere Familien ihre Wunschkinder käuflich erwerben. Menschen handeln wie Ungeziefer, wie Ratten, verglich Gerhart Hauptmann, damals düster und trefflich.

Der leitende Hausregisseur K.D. Schmidt lässt das Stück in einem heutigen Berliner Mietshaus spielen und holt „Die Ratten“ damit atmosphärisch in die Jetztzeit: eine abstrakte Bühne, zeitgemäße Kostüme, moderne Videoeinspielungen. „So soll keine Distanz zu den Figuren entstehen“, begründet die Dramaturgin.

Gerhart Hauptmann (1862-1946) verfolgt in „Die Ratten“ zwei Erzählstränge. Im Zentrum steht die Muttertragödie der Frau John (Caroline Nagel). Diese wünscht sich nichts sehnlicher als ein Kind und kauft dem ungewollt schwangeren Dienstmädchen Pauline Piperkarcka (Juliana Djulgerova) deren Baby ab. Als Pauline später ihr Kind zurück haben will, kostet sie das ihr Leben.

Die Nebenhandlung schildert den heruntergekommenen Theaterdirektor Hassenreuter (Thomas Lichtenstein), der seine Frau mit einer koketten Schauspielerin (Anne Eversbusch) betrügt, während Hassenreuters Tochter (Rika Weniger) ausgerechnet einen angehenden Theologen (Vincent Doddema) liebt.

K.D. Schmidt hat das Stück auf knapp zwei Stunden plus Pause zusammen gestrichen, ohne es wesentlich zu verändern. Auch die Kunstsprache Hauptmanns, ein schlesisch eingefärbtes Berlinerisch, bleibt erhalten.

Weitere Mitwirkende sind Gilbert Mieroph, Norbert Wendel, Rene Schack und Hanka Schmidt.

Alle Theaterkritiken der NWZ unter www.NWZonline.de/theater

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