Oldenburg Nach aktueller Version könnte man das Klavierspiel von Frédéric Chopin „energiesparend“ nennen. Zeitgenossen charakterisierten es respektlos als „etwas schwächlich“. Zwar haben sie nie seine Virtuosität und Tiefe in Frage gestellt. Doch der Vorwurf lautete: Der Frédéric spielt viel zu leise! Lag es am Flügel? Lag es an Chopins anfälliger Konstitution?

Natürlich liegt der Mangel an Kraftmeierei in der Musik selbst begründet. Doch auch das Klavier spielt eine Rolle. Die Kölner Pianistin Katharina Hack hat das in einem Konzert mit der Kammersinfonie Oldenburg im ausverkauften Schlosssaal demons-triert. Ihr Instrument in Chopins 2. Konzert f-Moll op. 21: Ein ebenso aufwendig wie gelungen im Pianohaus Rosenkranz restaurierter Flügel von Sébastien Erard aus dem Jahr 1850.

Kraftvoller Ausdruck

Dieses Instrument schlägt die Brücke zwischen einem Pleyel-Flügel, wie ihn der Komponist um 1830 bevorzugte, und dem heute vorwiegend eingesetzten Steinway. Der historische galt als sehr leise. Die 21 Jahre alte Pianistin demonstriert, dass der Erard mit seinem sonoren, präsenten, farbenreichen Klang, seiner raschen Ansprache und seinem durchaus kraftvollen Ausdruck das ideale Chopin-Instrument sein könnte.

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Mutig bei Brahms

Hack mag in ihrer behenden Geläufigkeit und ihre unpathetische Virtuosität sehr genau Ton und Stimmung des zur Kompositionszeit achtzehnjährigen Komponisten treffen. Ihr technisches Vermögen korrespondiert sehr innig mit der frühromantischen Gefühlswelt. Etwas mehr Druck könnte die Musik gelegentlich vertragen, da müsste ihre Feingliedrigkeit in den weit schweifenden Läufen konkreter zu Zielen hinstreben.

Die Kammersinfonie ist ein höchst engagiertes und mutiges Ensemble, mit dem Dirigent Olaf Wiegmann dezente Klangteppiche unter den Klavierton legt, das aber auch auftrumpfen kann. In der 3. Sinfonie F-Dur op. 90 von Johannes Brahms ist das auch gefragt. Der Bogen spannt sich zwischen Melancholie, Trotzigkeit und auch der technischen Herausforderung weit, sehr weit sogar für ein Laienorchester. Was die Kammersinfonie, einigen Einschränkungen zum Trotz, hier erarbeitet hat, verdient hohen Respekt. Die gebannten Zuhörer würdigen das angemessen.

Im Bestreben, trotz unterschiedlicher Ansätze möglichst homogen zu klingen, finden die Bläser weitgehend zu einem nivellierenden Mezzoforte-Spiel. Das schließt höchst geglückte Szenen nicht aus. Gerade die Schlusssequenz stellt das eindrucksvoll heraus.

Da hat Brahms ein kleines kompaktes Fazit gezogen – und die Kammersinfonie trifft mit diesem Akkord sehr fein diese vielschichtige Wehmut des Werkes.

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