Oldenburg Die Jalousien sind heruntergezogen, im Dämmerlicht leuchten die vier Bildschirme besonders hell. Flink huschen die Finger von Cutterin Laura Bechthold über mehrere Dutzend Knöpfe und Schalter. Sie arbeitet an der Dokumentation „Als die Polen in den Norden kamen“.

„Wir haben rund 20 Stunden Filmmaterial gesammelt“, erzählt die Mitarbeiterin der Filmproduktion Henning Papstein. „Das muss nun auf 45 Minuten zusammengekürzt werden“, ergänzt der Chef selbst.

Hennig Papstein ist seit 1990 als Filmemacher in der ganzen Welt unterwegs. Für die Bearbeitung kehren er und sein Team aber immer wieder ins heimische Studio nach Oldenburg zurück. Diesmal ging es nach Amsterdam, London, Breda und nach Norddeutschland – genauer gesagt nach Haren/Ems. Denn 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs zeigt der NDR die Reihe „Unsere Geschichte“. Papsteins Dokumentation „Als die Polen in den Norden kamen“ ist ein Teil der Serie und erzählt die Geschichte der polnischen Exilarmee, die in den Jahren von 1945 bis 1948 die nordwestliche Stadt Haren einnahm und in Maczkow umbenannte. „Beim Dreh war die Diskrepanz zwischen den menschlichen Schicksalen erstaunlich“, erzählt der Autor des Dokumentarfilms, Joop Wösten, „denn die Besetzer ließen es sich gut gehen, während die Harener ihr Hab und Gut verloren.“

Am 18. Januar starteten Henning Papstein und sein dreiköpfiges Team mit den Dreharbeiten. Schon Monate zuvor begannen die Vorbereitungen. Im Juli 2014 traf sich Autor Joop Wösten mit Historikern, im August durchforstete er Archive in London, um sich mit dem historischen Stoff vertraut zu machen. „Eine historische Dokumentation ist in der Recherche sehr viel aufwendiger als vielleicht eine Landschaftsreportage“, erklärt Laura Bechtold, die nicht nur im Schnitt arbeitet, sondern auch Kamerafrau ist. Aber gerade das Abwechslungsreiche sei das Spannende an ihrem Beruf, versichern Laura Bechtold und Henning Papstein.

„Unsere Dokumentation lässt Zeitzeugen erzählen, zeigt nachgestellte historische und aktuelle Szenen“, erklärt Filmemacher Papstein. Insgesamt waren rund 60 Personen an den Aufnahmen für die NDR-Doku beteiligt.

„Mein Vater war auch im Krieg. Ich denke, zu diesem historischen Thema haben viele Menschen eine Verbindung“, erzählt der Filmemacher. Auch wenn er in der ganzen Welt unterwegs ist, könne er sich nicht vorstellen, seinen Firmensitz zu verlegen. „Wir drehen auch aktuelle regionale Berichterstattungen, dafür ist die Lage Oldenburgs ideal, da es im Nordwesten so zentral liegt“, erklärt er. „Außerdem sind wir ein eingespieltes Team. Ich habe schon hier am Stau gearbeitet, als die Adresse noch nicht so gefragt war“, so der Oldenburger.

Den Erfolg des Films misst er nicht an der TV-Quote: „Darauf kommt es mir nicht an. Für mich ist der Film erfolgreich, wenn sich Harener und Polen im Film wiedererkennen“ ,sagt Papstein.

Auch nächste Projekte stehen schon an. Ein Wunschprojekt steht aber noch aus: „Am liebsten würde ich etwas über eine Segelreise in der Karibik drehen“, überlegt Hennig Papstein.

„Da sind wir dabei“, stimmen seine Kollegen lachend ein.

Sophie Schwarz Volontärin / NWZ-Redaktion
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