Oldenburg Einmal, ein einziges Mal nur hat Gerd Koop sein Veto eingelegt. Eine höchst geringe Einspruchsquote, bedenkt man, wie viele streitbare Filme der Direktor der Justizvollzugsanstalt (JVA) in Kreyenbrück in den vergangenen zehn Jahren abgenickt haben muss. So lange nämlich währt die Kooperation der JVA mit dem Filmfest Oldenburg. „Das Gefängnis als Abspielstätte – das ist ebenso außergewöhnlich wie weltweit einmalig“, freuen sich Koop und Festivalchef Torsten Neumann. Das Jubiläum steigt vom 16. bis 20. September, dann findet zum 22. Mal das Festival des internationalen unabhängigen Films statt, in der JVA und an sechs weiteren Spielorten.

Die sind mit EWE Arena, Staatstheater, Exerzierhalle, Theater Hof/19, Cine K und „Casablanca“-Programmkino bekannt – und doch kommt Neues dazu: Da die Kulturetage derzeit umgebaut wird, zieht der Treffpunkt für Publikum und Filmstars zum Pferdemarkt. Ein Teil des Möbelhauses Rosenbohm sowie die Bauwerk-Halle (ab 7. September) bilden den Festival-Nukleus. „Zusammen mit Exerzierhalle und Casablanca ist dann ein Großteil des Festes an einem Platz konzentriert“, so Neumann, der offen lässt, ob die logistische Änderung die Ausnahme bleibt oder zur Regel wird. Die Regel ist dagegen der Besuch internationaler Darsteller während der Festspieltage. Wie üblich lässt Neumann viel im Geheimen, nur so viel verrät er: Kult-Regisseur George Armitage ist fünf Tage lang da, fest zugesagt haben auch die Schauspieler Whitney Able („Dark“), Matthias Koeberlin, Ralph Herforth und Jule Ronstedt (alle TV-Serie „Gottlos“) sowie Hollywood-Star Deborah Kara Unger. Und weitere große Namen sollen folgen. „Sie alle genießen den atmosphärisch schönen Raum, den sich unser Festival erarbeitet hat“, meint Neumann und regt sich fast nicht mehr über den erneut „verschlankten“ Etat (knapp 300 000 Euro) auf. „Natürlich wird es von Jahr zu Jahr schwerer“, sagt er nur, „aber der starke Rückhalt unserer Sponsoren und Unterstützer macht Mut.“

Das Filmfest wird jeden erreichen, davon ist Neumann überzeugt. Als Zuschauer ohnehin, aber auch mit Hilfe neuer T-Shirts und Plakate (die mit Hitchcock-Klassikern wie „Der unsichtbare Dritte“ oder „Psycho“ bald das Stadtbild dominieren). Überall ist dann zu sehen, dass Oldenburg wieder zum Hollywood des Nordens wird. Der rote Teppich wird schon gesaugt.

Klaus Fricke
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