Frage: Mögen Sie Filmfestivals und den roten Teppich?
Tabatabai: Ich mache das Flanieren und Posieren ja nicht hauptberuflich (lacht). Insofern mag ich das schon, zumal es für uns die Premiere ist, unseren Film „Strawberry Bubblegums“ auf die Leinwand zu bringen. Ich bin da immer noch aufgeregt, weil man ja nicht weiß, wie die Leute den Film finden. Hinzu kommt, dass ich ihn bis auf die Szenen, die ich selber synchronisiert habe, noch nicht gesehen habe. Und ich freue mich auf das Wiedersehen mit Regisseur Benjamin Teske und den Kollegen.
Frage: Sie kennen die Berlinale und große Filmpreis-Galas – wie passt Oldenburg da hinein?
Tabatabai: Sehr gut, es ist ein schönes, kleines Festival. Das ist wie ein Konzert in einer kleinen Bar, das kann viel toller sein als auf einer großen Bühne, weil es intimer und persönlicher ist. Ich war vor 15 Jahren schon einmal hier mit „Mondscheintarif“.
Frage: Was hat Sie daran gereizt, in „Strawberry Bubblegums“ die Rolle der Paula zu übernehmen? Sie spielen eine alleinerziehende Mutter, deren Tochter das Ergebnis eines Pornodrehs ist. Und diese Tochter sucht nun ihren Erzeuger.
Tabatabai: Das ist ein Geschenk, einen Ex-Porno-Star zu spielen, der sein Leben lang seiner Tochter nichts von dieser Vergangenheit erzählt hat und jetzt als Wachfrau arbeitet. Das ist ein irrsinnig toller Konflikt. Benjamin hat mir das Buch geschickt, und es hat mir sehr gut gefallen. Er hat ein Händchen dafür, sehr liebevoll skurrile Figuren zu zeichnen. André Hennicke in der Rolle als Uwe Ochsenschwanz zu sehen, ist ein Fest für die Sinne.
Frage: Für Benjamin Teske ist es das Spielfilm-Debüt. War das für Sie als etablierte Schauspielerin ein Wagnis?
Tabatabai: Nein, überhaupt nicht. Für mich zählt nur, ob jemand Talent hat, und wie er sich als Mensch benimmt.
Frage: „Strawberry Bubblegums“ ist ein Roadmovie. Hat Sie das an „Bandits“, Ihren großen Durchbruch im Jahr 1997, erinnert?
Tabatabai: Eine Parallele ist sicher, dass es um Außenseiter geht. „Strawberry Bubblegums“ ist eine Liebeserklärung an Außenseiter. Benjamin schafft es, dass einem solche Freaks richtig ans Herz wachsen. Wir sollten alle ein Auge auf ihn haben, er ist ein riesiges Talent.
Frage: Musik ist Ihr zweites künstlerisches Standbein. Nach rockigen Jahren haben Sie im Mai Ihr zweites Jazz-Album veröffentlicht. Ist Jazz Ihre neue musikalische Liebe?
Tabatabai: Das ist in erster Linie dem Schweizer Komponisten und Musiker David Klein zu verdanken. Mit ihm hatte ich schon im Jahr 2000 den Soundtrack zum Film „Gripsholm“ gemacht. Seitdem hat er immer wieder davon gesprochen. Er fand, dass gerade meine nicht-jazzige Art zu singen, zu dieser Musik passt. Als 2009 meine zweite Tochter zur Welt kam, hatte ich große Sehnsucht nach mehr Ruhe. Das erfüllt für mich Jazz. Das ist eine handgemachte, klare Musik, die mir sehr gut gefällt. Auch wenn ,Bandits’ der wichtigste Film meines Lebens war, möchte ich nicht mehr die Rocksängerin von vor 20 Jahren geben müssen. Man muss sich weiterentwickeln dürfen, ohne dass die Leute sauer sind, dass man sie nicht mehr an ihre Jugend erinnert.
Frage: Seit 2012 stehen Sie als Kommissarin Mina Amiri in der ZDF-Reihe „Letzte Spur Berlin“ vor der Kamera. Was bedeutet Ihnen diese Rolle?
Tabatabai: Eine erfolgreiche Serienrolle zu haben ist schön. Fernsehen ist in Deutschland sehr wichtig. Ich merke schon, dass mein Gesicht einem breiten Publikum vertraut geworden ist. Ich musste mir jahrelang anhören, Frau Tabatabai, Sie sind nicht genug Mainstream. Dass jemand wie ich jetzt als Serienfigur akzeptiert wird, freut mich. Es ist toll, in Berlin zu drehen. Es ist zwar anstrengend, aber ich kann nachts zuhause schlafen und die Kinder sehen.
Frage: Film, Musik, Familie – Sie sind dreifache Mutter: Wie bekommen Sie das alles unter einen Hut?
Tabatabai: Indem ich mich mit meinem Partner (Schauspielkollege Andreas Pietschmann, die Red.) abwechsle. Bei zwei gleichberechtigt berufstätigen Elternteilen muss man auch mal Verzicht üben. Ich habe viele spannende Sachen absagen müssen, um Zeit mit der Familie verbringen zu können. Ich kann damit aber gut leben.
Stephan Onnen Redakteur / Redaktion Oldenburg
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