Eversten Landfrauen sind nur noch die wenigsten von ihnen: Etwa 150 Mitglieder zählt der Landfrauenverein Oldenburg heute. Sie alle verbindet die Meinung, dass der Dialog zwischen Verbrauchern und Erzeugern gefördert werden muss. Umweltschutz und das gesellige Miteinander liegen den Frauen ebenso am Herzen. Am Freitag feierten sie mit rund 100 Gästen im Hundsmühler Krug das 70-jährige Bestehen des Landfrauenvereins Oldenburg.

Die Vorstandsfrauen, allen voran die Vorsitzende Renate Moorbeck, erinnerten an die Entwicklung des Vereins und auch an die Zeit, in der dieses soziale Netzwerk begründet wurde. Passend dazu sang die Bremer Mezzosopranistin Stefanie Golisch Lieder aus ihrem Lale-Andersen-Programm. Hier Zahlen und Fakten aus der Historie.

27 Frauen gründeten am 14. Februar 1950 den Landfrauenverein. Mit dabei waren Marianne Boltes und Helga Meyer, die damals die Mädchenabteilung der Landwirtschaftsschule an der Eckardstraße (Osternburg) besuchten. Clara Havekamp aus Tweelbäke wurde die erste Vorsitzende des neuen Vereins. Sie blieb bis 1972 im Amt, das Leni Lütje aus Tweelbäke bis 1977 innehatte. Sie konnte in diesen fünf Jahren so viele Mitglieder gewinnen, dass die Tweelbäkerinnen einen eigenen Landfrauenverein gründeten.

1898begann bereits die Geschichte der Landfrauen. Die Gutsfrau Elisabeth Boehm im ostpreußischen Rastenburg rief den ersten landwirtschaftlichen Hausfrauenverein ins Leben mit dem Ziel, durch hauswirtschaftliche und kulturelle Bildung die Lebens- und Arbeitsverhältnisse der Frauen im ländlichen Raum zu verbessern sowie Aus- und Weiterbildung zu ermöglichen. Als wichtige Daten zitieren die Oldenburger Landfrauen die Einführung des Frauenwahlrechts im Jahr 1919. „Wir erinnern uns noch alle gut, dass es bis 1977 den Frauen nur mit Einwilligung des Ehemannes erlaubt war, einer Berufstätigkeit nachzugehen“, sagen sie.

1977 wurde Marianne Boltes die 1. Vorsitzende. Sie fing mit 97 Mitgliedern an, 1984 waren es schon 200 Mitglieder. Traf sich der Verein anfangs in der neuen Landwirtschaftsschule in der Wallstraße, so war später der kleine Saal in der Weser-Ems-Halle der Treffpunkt. 1982 wechselte man in den Hundsmühler Krug.

1978 ging es in einem Vortrag vor den Landfrauen schon um das Thema Mülltrennung im Haushalt – unter dem Titel „Die Familie als Umweltsünder“. In den Anfangsjahren des Vereins standen Infos über Wasch- und Geschirrspülmaschinen, Dampfdrucktöpfe und deren arbeitserleichternde Wirkung hoch im Kurs. 1979 fordern die Landfrauen Chancengleichheit von Stadt und Land. Es wurden Fehler bei der Zentralisierung des Schulwesens beklagt, und man wünschte sich krisensichere Arbeitsplätze durch Ansiedlung mittelständischer Industrie- und Handwerksbetriebe auf dem Lande.

1980 stand das Umweltbewusstsein auch schon auf der Tagesordnung. Die Kernenergie wurde damals kontrovers diskutiert. Kinder sollten umweltbewusst erzogen werden. Bereits 1983 stand die Qualität der Nahrungsmittel im Kreuzfeuer der Kritik. In einer dicken Kladde haben die Landfrauen ihre Themen und Termine festgehalten. Daraus wurde zum 70. Geburtstag vorgetragen.

1989 wurde der Grundstein für den Singkreises des Vereins gelegt. Waltraud Sonnewald und Helga Meyer (Vorsitzende von 1995 bis 1999) kümmerten sich intensiv darum. Ebenso wurden Baumpflanzaktionen ins Leben gerufen. Unter dem Vorsitz von Ursel Wöbken (bis 2015) boten die Frauen viele Ferienpassaktionen an.

2019 wurde im Kreislandvolkverband Oldenburg die Initiative „Junge Landfrauen“ gegründet. Bei deren Veranstaltungen, zum Beispiel zum Zeitmanagement, sind auch die älteren stets herzlich willkommen. Und die sagen. „So können Kontakte hergestellt werden und ein Austausch zwischen den Generationen ist möglich. Das wäre für die Zukunft unseres Landfrauenvereins in Oldenburg auch wünschenswert und lässt hoffen.“

Susanne Gloger Redakteurin / Redaktion Oldenburg
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