OLDENBURG 17 Jahre lang spielte die Band auf allen möglichen Partys. Am 2. September treten die Musiker ein letztes Mal auf.

Von Karsten Krogmann OLDENBURG - Sören ist ein großer Mann mit zwei Ohrringen und tätowierten Oberarmen, aber das wissen nur die wenigsten. Denn Sören ist meistens unsichtbar: Er sitzt immer ganz hinten, versteckt hinter Trommeln, Becken und Metallstativen, und ständig stehen Leute mit Gitarren vor ihm. Sörens Namen aber kennt jeder Oldenburger, der schon mal kräftig gefeiert hat: Sören Jünemann.

Der 38-Jährige ist nämlich Schlagzeuger und Namensgeber der Sören Jünemann Band. „Das war eigentlich nur ein Scherz von mir“, erinnert er sich an die Band-Taufe vor 17 Jahren. Doch seine Bandkollegen nahmen den Scherz ernst, und seitdem musste Sören seinen Namen regelmäßig auf Plakaten und in Zeitungsartikeln lesen. Und weil eine Sören Jünemann Band irgendwie die Band von Sören Jünemann ist, muss er jetzt auch das Ende verkünden: „Wir hören auf“, sagt der Musiker, „beim Stadtfest spielen wir zum allerletzten Mal.“

Im August 1989 las der Schlagzeuger in einem Oldenburger Musikgeschäft einen Zettel am Schwarzen Brett. „Schlagzeuger gesucht zwecks Gründung einer Top-40-Band“ stand darauf. Geschrieben hatten den Zettel Musiker der ehrlichen, aber armen Rockband Jannett, die den Plan gefasst hatten, fortan mit ihrer Musik Geld zu verdienen. Der Plan gefiel auch Sören, also traf man sich zur gemeinsamen Probe. „Ganz schnell“, so Sören, „haben wir den Plan dann aber wieder verworfen“: Die Sören Jünemann Band, kurz SJB, entschied sich für „weniger Geld und mehr Spaß“ und übte statt der Top-40-Songs doch lieber Rocktitel ein. „So Lonely“ von Police, „The Passenger“ von Iggy Pop, „Urgent“ von Foreigner – einige der Titel halten sich seit 17 Jahren im Programm.

Nach ersten laut Sören „furchtbaren“ Auftritten im Emsland ging es bergauf: Die SJB wurde zur festen Größe bei Stadtfesten und Open-Air-Partys. Das Repertoire vergrößerte sich, und auch die Band selbst wuchs: Nach verschiedenen Umbesetzungen gehören inzwischen sieben Musiker zur Gruppe, vier davon können singen. „Wir waren noch nie so gut wie heute“, schwärmt Sören.

Warum will er die Band dann auflösen? „Wenn‘s am schönsten ist, soll man aufhören“, sagt er und grinst, das war nur ein Scherz. Die Konzerte seien Knochenjobs, sagt er, jeder Auftritt bringe zwölf Stunden Arbeit mit sich. Häufig seien die „Mucken“ nur schwer mit dem Beruf zu vereinbaren, weiß Sören, der selbst als Rettungsassistent arbeitet: „Da bin ich schon jedes zweite Wochenende im Dienst – und wenn wir dann einen Auftritt habe, sehe ich meine Familie drei Wochenenden nicht. Uns allen ist das ein bisschen viel geworden.“

Sören krempelt den linken Ärmel hoch. Zum Vorschein kommt seine Tätowierung, ein rotes Schlagzeug. Mit dem Trommeln werde er nie aufhören, sagt er und verkündet seine neue Parole: „Noch mehr Spaß und noch weniger Geld – und weniger Arbeit!“ Wer genau hinschaut, kann also auch künftig hinter Trommeln, Becken und Gitarristen manchmal einen großen Mann mit Ohrringen und tätowierten Armen entdecken: Sören, den Rockmusiker.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.