Oldenburg Kennen Sie Ian Anderson, den legendären Sänger und Flötisten der Progressive-Rock-Band Jethro Tull aus den 70er-Jahren? Sein berühmtes Flötenspiel ist ein laues Lüftchen gegen das, was Pedro Figueiredos Querflöte am Dienstagabend auf die Bühne des Theaters Laboratorium blies. Das graumelierte Publikum des Oldenburger Bildungsbürgertums gebärdete sich wie Teenager bei einem Justin Bieber-Event. Es tobte. Figueiredo ist – wenn man so will – der vierte Mann im Renato Borghetti Quartett, das einen bemerkenswerten Konzertabend hinlegte.

Ist schon die Besetzung des Quartetts – Klavier, Querflöte/Klarinette, Gitarre und Akkordeon – etwas ganz Spezielles, setzt das spektakuläre Zusammenspiel der vier so unterschiedlichen Freunde noch einen drauf. Besser, harmonischer und exakter geht es einfach nicht!

Renato Borghetti ist mit seinem Akkordeon längst ein Weltstar, der schon mit Größen wie Stephane Grapelli, Ron Carter und Hermeto Pascoal auf der Bühne stand und in seinem Heimatland Brasilien ganze Stadien füllt. Das ist durchaus erwähnenswert, denn das Borghetti-Quartett bietet ausschließlich Instrumentalmusik ohne vokale Ergänzung. Die allerdings in einer mitreißenden Intensität. Wer da am Dienstagabend wegen des Akkordeon-Schwerpunktes argentinische Folklore mit Tango ohne Ende oder Samba olé erwartet hatte, dürfte sich gewundert haben. Ob Jazz, Klezmer, Weltmusik, mit spürbarer Lust quetscht „Borghettinho“ sein Akkordeon in fast jedem Genre aus. Den Strohhut tief ins Gesicht gezogen, stampft er im rasch wechselnden Rhythmus der intelligenten Kompositionen über die Bühne, entlockt dabei der „Quetschkommode“ irrwitzige Töne in schwindelerregendem Tempo. Ein Derwisch am Akkordeon.

Alle vier Musiker sind virtuose Instrumentalisten mit unfassbar viel Gefühl, wobei sich Victor Peixoto am Klavier auch als exzellenter Jazzpianist outete. Und Daniel Sá an der Rhythmus-Gitarre glänzt mit sensibler Begleitung und perfektem Zusammenspiel.

Dass Veranstalter Paddy Maindok Borghetti zum sechsten Mal nach Oldenburg lotste, war kein Risiko. Nichts spricht dagegen, dass es ein siebtes geben könnte.

Thomas Haselier / Archiv
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