Oldenburg Ihm war die Retrospektive beim letztjährigen Filmfest gewidmet, er war einer der ganz besonders sympathischen Stars unter allen Stars, die das Festival bereits besucht haben – und er hat ganz offensichtlich einen Narren an Oldenburg gefressen: Philippe Mora. Der australische Regisseur nutzt eine Drehpause, um am Sonntag, 20. September, seinen neuesten Film „Three Days in Auschwitz“ zu präsentieren.

Es sind solche kleinen und großen unvermuteten Dinge, die den fünf Tagen des Filmfestes (16. bis 20. September) ein gutes Stück Einzigartigkeit verleihen. Das Drumherum ergänzt die Qualität des Programms, ohne zu überborden. Drei Beispiele für diese großartigen neuen Arbeiten sollen dies bezeugen.

Da ist natürlich einmal dieser Film von Philippe Mora, der mit „Three Days in Auschwitz“ ein sehr persönliches Werk vorlegt. Der Regisseur war zwischen 2010 und 2014 dreimal an den Stätten der Konzentrationslager Auschwitz und Birkenau gewesen, wo viele seiner väterlichen Vorfahren der Familie Morawski von den Nazis umgebracht worden waren. Die ersten beiden Besuche hatten bereits bei ihm das Bedürfnis ausgelöst, tiefer in das Geflecht des Holocausts und das Schicksal seiner Familie einzudringen. „Diese filmische Dokumentation ist eine Odyssee ins Herz des Bösen einst und heute“, erklärt Mora. Auschwitz ist für ihn ein Symbol für Barbarei und Ausweglosigkeit, die er mit ausdrucksstarken Filmbildern, Erinnerungen seiner Mutter und eigenen Zeichnungen, unterlegt von der Musik Eric Claptons, ebenso hart wie artifiziell darstellt.  „Three Days in Auschwitz“, 20. September, 14.30 Uhr, Cine K.

Wo bei Philippe Mora Vergangenheit und Gegenwart aufeinanderprallen, vermischen sich im bemerkenswerten Actioner „Travelator“ die Realität des Balkans mit der Traumwelt Las Vegas. Der serbische Regisseur Dusan Milic erzählt von Slav (19), der sein Dasein in einem Camp bei Belgrad fristet, es aber wenigstens zur Meisterschaft an PC-Ballerspielen bringt. Das macht ihn für die Mafia interessant, die ihn beauftragt, einen korrupten serbischen Kriegsgewinner zu töten – und der lebt in der Wüste von Nevada. Die Künstlichkeit der Ballerspiele und die Glitzerfassade von Las Vegas werden in den Bildern, die Regisseur Milic virtuos komponiert, kaum unterscheidbar, nähern sich extrem an. Dazu passt ideal die intensive Darstellung von Nikola Racojevic (Slav), der bisweilen an die hypnotische Ausstrahlung von Robert de Niros „Taxi Driver“ erinnert. Ein großer Film.  „Travelator“, 18. September, 19 Uhr, und 19. September, 16.30 Uhr; jeweils Theater Hof/19.

Und noch ein Zusammenstoß unterschiedlicher Welten: Regisseur Hank Bedford zeigt in „Dixieland“ die ungeschminkte Realität des pittoresken Südens der USA. Der Film erzählt von Kermit, der aus dem Gefängnis entlassen wird und zwischen Trailerparks und billigen Clubs landet. Er versucht, zusammen mit seiner neuen Freundin Rachel dem trostlosen Milieu zu entkommen – doch diese Außenseiter der Dixieland-Gesellschaft Mississippis sind chancenlos; sie gehen unter in einem Strudel aus Liebe und Verbrechen. Mit einigen stilistischen Tricks verleiht Regisseur Bedford seinem höchst authentischen Film, der doch fast ein Märchen ist, eine beklemmende Wirklichkeit. Eine in 18 Tagen gedrehte Bonnie-und-Clyde-Geschichte, die ebenso modern wie poetisch daherkommt.  „Dixieland“, 18. September, 19 Uhr, Exerzierhalle; 19. September, 14.30 Uhr, JVA.

Klaus Fricke
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