Oldenburg Wenn eine Familie von jetzt auf gleich aus Deutschland abgeschoben wird, spielt sich für die Betroffenen ein Drama ab. „Deportation Cast“ erzählt so eines. Es ist zwar „nur“ ein Schauspiel, das jetzt in der Exerzierhalle über die Bühne geht. Aber es basiert auf traurigen Fakten, auf realer Angst, Wut und Verzweiflung. 2011 feierte das junge Schauspiel, geeignet ab 14 Jahren, im Staatstheater Hannover Premiere. 2012 wurde es mit dem Deutschen Jugendtheaterpreis ausgezeichnet.

Der Autor Björn Bicker hat das Szenario einer Abschiebung intensiv recherchiert. Die Ergebnisse baute er als Interviews in die Handlung ein. So schildern Sachbearbeiterin, Arzt, Anwalt und Beobachterin ihre Eindrücke, „ohne moralisierend oder anklagend zu sein“, betont Dramaturgin Catharina Hartmann. „Irgendwie hat man auch Verständnis dafür, dass hier jeder nur seinen Job macht.“

Was unter die Haut gehe, sei die Mischung aus Interviews einerseits und persönlichem Schicksal andererseits. Denn „Deportation Cast“ ist auch eine Liebesgeschichte zwischen zwei 16-jährigen Teenagern.

Elvira, ein Roma-Mädchen, ist gerade noch hier zur Schule gegangen, als sie plötzlich mit ihrem Bruder und den Eltern in den Kosovo zurück muss. In ein Land, an das sie sich nicht mehr erinnern kann und dessen Sprache sie nicht spricht. Dort sitzt sie in einer zerstörten Unterkunft auf einer Müllkippe und versucht verzweifelt, mit ihrem letzten Handy-Guthaben ihren deutschen Freund Bruno zu erreichen. Bruno seinerseits setzt verzweifelt alle Hebel in Bewegung, um Elvira aus dem Kosovo heraus zu holen. Er fängt an, den Verantwortlichen unbequeme Fragen zu stellen. Etwa seinem Vater, der als Pilot für die Abschiebebehörde arbeitet.

Die vier Schauspieler Thomas Birklein, Caroline Nagel, Denis Larisch und Kristina Gorjanowa teilen sich die zwölf Rollen des Stückes, das sowohl in Deutschland als auch im Kosovo spielt. „Zum Schluss hin werden die Rollenwechsel immer schneller“, sagt Catharina Hartmann: „Deshalb muss man die einzelnen Figuren sehr genau anlegen.“

Letzteres gehört zu den Stärken von Regisseurin Brit Bartkowiak (33), die mit Poesie und Witz am liebsten leise Theaterabende inszeniert. „Wir haben uns zunächst intensiv mit dem politischen Kontext beschäftigt“, sagt sie. „Das Stück ist ja sehr aktuell und brisant. Man denke an das Schiff mit 500 Flüchtlingen, das vor wenigen Wochen vor Lampedusa kenterte.“


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