OLDENBURG Was wäre, wenn man seine Biografie im Nachhinein ändern und damit seine Identität manipulieren könnte? Würde man Situationen anders lösen oder gaukelt das menschliche Denkvermögen diese Illusion nur vor?

In „Biografie: Ein Spiel“, das jetzt im Oldenburgischen Staatstheater Premiere feiert, erhält der Verhaltensforscher Herr Kürmann eben diese Möglichkeit, in seine Vergangenheit einzugreifen. Wieder und wieder spielt er nun mit Hilfe eines Registrators den entscheidenden Moment durch, als er seine Ex-Frau Antoinette kennenlernte. Immer mit dem Ziel, diese Begegnung und die darauf folgende Beziehung auszulöschen.

Die Grenzverschiebung zwischen Realität, Illusion und Desillusion sei faszinierend, sagt Regisseur Marlon Metzen: „Dadurch bekommt das Stück Magie.“

Die Komödie mutet zunächst wie eine gewöhnliche Probensituation an. Hauptdarsteller ist Herr Kürmann (Denis Larisch). Der Registrator (Bernhard Hackmann) führt Regie und zwei weitere Darsteller (Rika Weniger und Sebastian Brandes) übernehmen wandelbar mehrere Rollen.

Die Zuschauer erleben „Biografie: Das Spiel“ durch eine besondere Raumlösung im Kleinen Haus aus einer anderen Perspektive und ungewöhnlich nah: Ein Teil des Publikums sitzt auf der Bühne, während die Schauspieler auf einem Steg inmitten des Theaterparketts agieren. Alles ist für das Publikum sichtbar. Die Bühne selbst natürlich, aber auch, was dahinter passiert, etwa in der Garderobe oder der Maske. „Sogar die Feuerwehr ist anwesend“, sagt Metzen.

„Biografie: Ein Spiel“ des Schweizer Schriftstellers Max Frisch (1911-1991) ist ein groteskes Stück über die Möglichkeit beziehungsweise Unmöglichkeit, sich von seiner Vergangenheit und den damit verbundenen Erinnerungen zu lösen. Sehr sinnlich und lebendig sei seine Inszenierung, sagt Metzen, der schon bei „I hired a contract killer“ im Staatstheater Regie führte. Ästhetisch belässt er das groteske Gedankenspiel in den 1960er Jahren, in denen Max Frisch es schrieb.

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