Oldenburg Goethe, Schiller, Fried und MC Schneider – das ist doch mal eine spannende Verbindung. Und klingt auch so: Deutsche Dichtung, gerappt vom Kinder- und Jugendchor des Oldenburgischen Staatstheaters, gibt’s bald nicht nur auf CD, sondern auch live im Konzert.

Ein erster dröhnender Vorgeschmack auf düster vorgetragene „Moorsoldaten“ – geschrieben von Häftlingen des Konzentrationslagers Börgermoor – ließ am Montagnachmittag das Staatstheater erschüttern, und das nicht nur aus akustischen Gründen. Baseball-Caps und Baggypants im Schmuckfoyer? Nun, das mag manch stillem Beobachter ein Kulturschock gewesen sein ...

Schuld daran ist Regina Peters, Programmverantwortliche bei der Kinder- und Jugendbuchmesse Kibum. Für eben diese 41. Auflage im November, die unter dem Motto „Kibum klingt“ steht, hat sie die Oldenburger Klanghelden in die „Rapschool“ von MC Schneider geschickt. Letzterer ist freier „Dozent für künstlerisch-kulturelle Bildung“, heißt Daniel und ist mit dem Ergebnis des gemeinsamen Workshops hochzufrieden. Und das, obwohl nicht jeder Klangheld (allesamt zwischen 13 und 17 Jahren) ja „ein Rapper ist“, wie er festgestellt habe, aber „sie alle sind ja Rhythmus gewohnt“.

Peters hatte also die Gedichte höchster Güte ausgewählt, Schneider diese auf ihre Rap-Tauglichkeit geprüft und entsprechende „Melodien“ dafür entwickelt. Schließlich wurde im Tonstudio der Sprechgesang der Oldenburger Mädchen und Jungen perfektioniert – und wird nun auf CD gepresst. Extra für die Kibum (Einführungspreis während der Messe: 10 Euro, im Kulturzentrum PFL) und extra für Pädagogen. „Unsere Rap-Poesie macht Lust auf die Glanzlichter Deutscher Dichtung und sorgt für einen neuen Zugang zur Lyrik“, sagt Regina Peters, „so kann die CD optimal dem interdisziplinären Einsatz im Deutsch-, Geschichts- und Musikunterricht dienen“. Auch Schneider ist überzeugt: „Wer Kinder und Jugendliche pädagogisch und kulturell erreichen will, muss sich an ihren musikalischen Interessen orientieren.“

Und so rappt sich also Fontanes Herr von Ribbeck auf Ribbeck quer durchs Havelland, lässt Goethes Erlkönig die Zuhörer erneut erbeben, fragt Fried nach „Was es ist“ und lässt Fallerslebens Gedanken frei fliehen. Laut, dröhnend, nachhaltig. „Rap ist rhythm and poetry“, sagt Daniel Schneider. Das mag Klangheld Julian Mönnich nur bestätigen: „Durch das Verrappen kriegt man einen anderen Blick auf die Gedichte“. Lyrische Ohrwürmer hat er deshalb aber genauso wenig wie seine Mitstreiter. Die 14 jungen Rapper sind schließlich Vollprofis und können schnell abschalten. Das tut auch Not, schließlich soll schon in einem Monat die nächste CD erscheinen – eine Oper: Rheinbergers „Zauberwort“. „Und das ist extrem sexy“, findet auch Klanghelden-Chorleiter Thomas Honickel.

Marc Geschonke Redakteur / Redaktion Oldenburg
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