Oldenburg In der Musik ist Johann Sebastian Bach (1685 bis 1750) der Übervater, jedenfalls über die Jahrhunderte gesehen, da dreht der Thomaskantor das große Rad. Tagesaktuell mag er eher als uncool gegolten haben, jedenfalls von seinen Söhnen aus gesehen. Die haben dem alten Knochen gezeigt, wohin es geht: Weg von der formstrengen, linear logisch geordneten Musik des Altmeisters.

Auf zwei Cembali haben Tobias Götting und Karl-Ernst Went in der Lambertikirche diese Reibungen im Hause Bach geistreich ausgebreitet: Mit Vater Johann Sebastian und seinem fast mathematisch zwingend entwickelten Konzert C-Dur BWV 1061 (ohne Streicher). Mit dem wirtschaftlich erfolgreichen Johann Christian und seinem galanten Stil in einem umgearbeiteten Quintett D-Dur op. 11/6. Mit dem genialen Carl Philipp Emanuel und vier kleinen Duetten Wq 115 in seiner empfindsamen Tonsprache. Mit dem emotional etwas introvertierten Wilhelm Friedemann und seiner Sonate F-Dur, die der barocken Ästhetik noch nahe steht. Es ist ein aufschlussreicher Kurzüberblick über jene Epoche zwischen Spätbarock und Klassik, die leicht übergangen wird.

Schon die Instrumente des Oldenburger Cembalobauers Dietrich Hein haben die beiden Spieler umsichtig gewählt. Das von Karl-Ernst Went hat einen eher intimen Charakter, das von Tobias Götting klingt offener.

Aber die beiden „befreundeten“ Cembali korrespondieren ebenso prächtig wie die Musiker. Sie setzen die Stimmen plastisch voneinander ab, breiten die musikalischen Entwicklungen offen aus und heben gut dosiert die Ornamentik hervor. Der Klang verschmelzt aber dort, wo der Melodiefluss zum breiteren Strom wird.

Götting/Went verbinden gesangliches Feingefühl mit rhythmischer Vitalität. Sie artikulieren belebend und verbinden in lockerer Lebhaftigkeit Schwung und Gesanglichkeit.

Die vielen Zuhörer gehen mit dem Kopfnicken: Johann Sebastian Bachs Musik ist aus heutiger Sicht die zeitloseste, die von Philipp Emanuel aus damaliger Sicht die modernste. Das ist nicht neu. Aber die Verdeutlichung hat Spaß bereitet.

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