Bümmerstede /Achternmeer „Mein Vater hatte schon ganz irritiert in meine Richtung geschaut, als mich der Polizist zum zweiten Mal erst an der Wienstraße in Eversten und dann an der Donnerschweer Straße angesprochen hatte. Papa hatte wohl befürchtet, dass mit unserem Traktor etwas nicht in Ordnung ist“, lacht Sabine Wieting. „Dabei war der Polizist nur so begeistert von unserem alten Normag Zorge, an dessen Steuer ich beim Oldenburger Kramermarktsumzug saß.“

62 Jahre alt ist der Normag und wirklich ein Schmuckstück in seinem Lindgrün und mit den tomatenroten Innenflächen der Räder: „Wo wir mit dem Traktor auftauchen, zieht er die Blicke auf sich. Und wir sind ja häufiger mit ihm unterwegs, sei es bei Oldtimertreffen wie bei unserem eigenen am 29. Juli in Klein Scharrel, sei es bei Ernteumzügen oder auch bei sonntäglichen Ausflügen zum Picknick in Wald und Flur“, sagt Ehemann Jürgen Wieting. Der 50-jährige Berufssoldat hat zusammen mit seinem Schwiegervater Hermann Witte den Schlepper restauriert.

Ein Schrauber

„Technikbegeistert bin ich schon von Kindesbeinen an und geschraubt habe ich schon als Jugendlicher viel an meinen Fahrzeugen. Zweiräder, das heißt Motorräder, haben es mir besonders angetan“, berichtet der Achternmeerer, der gelernter Werkzeugmacher und seit über 30 Jahren Berufssoldat ist.

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Was für ein Glück, dass Wieting in seinem Schwiegervater Hermann Witte, einem gelernten Kraftfahrzeughandwerker und Maschinenbauer, einen Gleichgesinnten fand. Auch er ist ein begeisterter Schrauber und restauriert schon seit vielen Jahren historische Fahrzeuge. Das erste Fahrzeug, das Hermann Witte aus einem Haufen Schrott in ein Schmuckstück verwandelte, war ein MAN-Kleinschlepper, Baujahr 1954, der alljährlich den Achternmeerer Wagen beim Oldenburger Kramermarktumzug zieht.

„2006 bekam auch ich meinen eigenen Trecker, damals war es mehr ein Treckerwrack“, berichtet Jürgen Wieting, der wie sein Schwiegervater Mitglied bei den Oldtimerfreunden Klein Scharrel, einem lockeren Zusammenschluss von Gleichgesinnten, ist. Über einen Bekannten hatte der Berufssoldat den Normag Zorge, der Jahrzehnte in einer Scheune gestanden hatte, erhalten. „Besonders reizvoll finde ich es, dass dieser Kornett I, Bauart K 12a, nur in in einer geringen Stückzahl hergestellt worden ist“, sagt Wieting.

Mit Schwiegervater Hermann wurde zwei Jahre lang restauriert. Etliche Schweißarbeiten an der Karosserie wurden erledigt, die Bordelektrik komplett erneuert, einige Anbauteile neu gefertigt und Neuteile verbaut. Der Motor wurde komplett zerlegt und mit neuen Dichtungen versehen. Außerdem erhielt der Traktor seine Originalfarben: das Lindgrün, das eigens gemischt wurde, und ein Tomatenrot. 2008 bekam der Erstling dann vom TÜV ohne Beanstandung die Plakette. „Das war einfach grandios“, schwärmt Jürgen Wieting, der einmal sogar – einer Wette wegen – mit dem Traktor zur Kaserne nach Bümmerstede fuhr. Hier ist er bei der 1. Panzerdivision stationiert. Der Normag ohne Parkausweis sei die Sensation auf dem Kasernengelände gewesen.

Motorräder herrichten

  Doch der Traktor ist nicht das einzige historische Fahrzeug, das Wieting mit seinem Schwiegervater – „Wir arbeiten immer im Team“ wiederherrichtete. „Als begeisterter Motorradfahrer suchte ich jahrelang nach einer alten Zündapp. 2013 war ich bei der Motorrad-Messe in der Weser-Ems-Halle. Dort entdeckte ich eine Zündapp DB 234 Norma Luxus, Baujahr 1953, und ich griff sofort zu.“ Der Vorbesitzer hatte das schwere, defekte Motorrad von Eversten bis zur Weser-Ems-Halle geschoben, um es dort zu verkaufen.

„Die Maschine befand sich zu 95 Prozent im Originalzustand und ich entschloss mich, die Zündapp trotz einiger Bedenken einiger Clubmitglieder zu restaurieren.“ Das Motorrad wurde in seine Einzelteile zerlegt, defekte Teile ersetzt bzw. neu angefertigt und alles neu lackiert. Der überholte Motor wurde poliert, der Kabelbaum erneuert. „Auch dieses Projekt dauerte zwei Jahre. Das hat unter anderem damit zu tun, dass ich aus beruflichen Gründen immer wieder längere Auslandseinsätze habe“, so der Achternmeerer, der heute häufiger mit der Zündapp unterwegs ist als mit seiner Suzuki GSX-R 750, Baujahr 1992.

Und ein weiteres Motorrad ist bereits in Arbeit: Nach einer NWZ-Berichterstattung im vergangenen Jahr über die Gründungsmitglieder der Oldtimerfreunde Klein Scharrel, darunter Wietings Schwiegervater Hemann Witte, bekam dieser eine DKW 200 E, Baujahr 1928, angeboten. Längst wurde die Maschine in ihre Bestandteile zerlegt und wird nun von dem Achternmeerer Schrauber-Team Wieting/Witte restauriert.

Die Maschine, zu deren Besitzer ein Bürger aus der ehemaligen DDR gehörte, hatte die DKW 1978 als Ersatzteilspender seinem Onkel in Oldenburg schenken wollen. Das lehnte das DDR-Ministerium für Außenhandel aber ab. Nach der Wende kam die Maschine dann doch nach Oldenburg.

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Doris Grove-Mittwede Redakteurin / Redaktion Westerstede
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