Oldenburg Uwe Timm mag die Nähe zu seinen Lesern. „Der Saal ist zu groß geraten“, sagt er mit Blick auf die spärlich gefüllten Reihen im geräumigen Festsaal der Weser-Ems-Halle. „Mein Buch braucht eine gedrängte Atmosphäre“, bemerkt der Schriftsteller, um dann gemeinsam mit Moderator Bernhard Robben und dem Publikum in seinen neuen Roman „Vogelweide“ einzutauchen.

Schon nach wenigen Minuten stört der zu groß geratene Raum niemanden mehr. Mit der Lesung, die immer wieder von kurzweiligen Dialogen unterbrochen wird, eröffneten Timm und Robben am Freitagabend das Literaturfestival „Erzählt“. Drei Tage lang gastierten renommierte Autoren auf Einladung der Thalia Buchhandlung in Oldenburg und stellten ihre Werke vor. Nach Timm folgte am Sonnabend Martin Walker mit seinem Krimi „Femme fatale“. Zum Abschluss trug Roger Willemsen am Sonntag gemeinsam mit Schauspielerin Barbara Auer aus seinem Buch „Es war einmal – oder nicht. Afghanische Kinder und ihre Welt“ vor und berichtete von seiner bewegenden Afghanistanreise. Cordula Stratmann hatte ihren Auftritt aus Krankheitsgründen kurzfristig abgesagt.

„Der Wechsel aus Lesung und Dialogen hat mir ausgezeichnet gefallen“, lobt Besucherin Wiebke Alberts. „Es herrschte eine nette und sympathische Atmosphäre“, meint auch Jutta Uyting. Neben den Autoren trägt dazu Moderator Robben – von Haus aus Übersetzer – bei, der zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Fragen stellt. Mit Timm zum Beispiel fachsimpelt er über Literatur im Allgemeinen und dessen Bücher im Besonderen, ohne dass die Unterhaltung ins Expertengespräch abdriftet. „Meine Figuren begleiten mich, ich träume von ihnen, manchmal fordern sie sogar, in späteren Büchern wieder aufzutauchen“, gibt der 73-jährige Timm, einer der meist gelesenen deutschen Gegenwartsautoren, Einblicke in den Schreibprozess: „Das Schreiben ist ein ständiges Gespräch mit mir selbst, bis die Sätze richtig klingen.“ Bei „Vogelweide“, die Namensgleichheit mit dem mittelalterlichen Dichter Walther von der Vogelweide ist beabsichtigt, handelt es sich um einen Liebes- und Beziehungsroman. Hauptfigur ist der privat und beruflich gescheiterte Software-Entwickler Christian Eschenbach. Ein „Selbst- und Prozessoptimierer“, der sich auf die Insel Scharhörn zur Selbstfindung zurückgezogen hat. Timm und Robben philosophieren unterhaltsam über den Unterschied zwischen Liebe und Begehren.

Die Bücher kann man selbstverständlich im Foyer kaufen. Timm bestellt nach der Lesung einen Weißwein und signiert fleißig die „Vogelweide“. „Was machen Sie beruflich?“, fragt der Autor interessiert nach. Spätestens da ist er seinen Lesern ganz nah.

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