Oldenburg Die Zeichen der Verweichlichung sind überall zu erkennen: Selbst der Teufel heize mittlerweile mit Pellets. Dagegen hilft nur ein Manöver: Ausbilder Schmidts Programm „Schlechten Menschen geht es immer gut“. Vor 150 Gästen drillt Holger Müller in seiner Militär-Kunstfigur Schmidt das Publikum im Kulturzentrum Ofenerdiek am Freitagabend nun dazu, ein echter Drecksack zu werden wie er selbst.

Andere mögen mittels Lichthupe drängeln, Ausbilder Schmidt gibt auf der Überholspur einen Warnschuss ab. Im Militärjargon fachsimpelt der Ausbilder zackig über seine wenig defensive Lebenseinstellung.

Nicht nur Rainer Calmund wird gnadenlos imitiert, Schmidt teilt auch kräftig gegen seine Kollegen, den Kabarettisten Rüdiger Hoffmann und Comedian Mario Barth, aus. Nach dieser hektischen Einlage ordentlich aus der Puste, fordert Schmidt selbstironisch „Ihr müsst einfach klatschen, das war so anstrengend!“

Einwilligung und Werberichtlinie

Ja, ich möchte den täglichen NWZonline-Newsletter erhalten. Meine E-Mailadresse wird ausschließlich für den Versand des Newsletters verwendet. Ich kann diese Einwilligung jederzeit widerrufen, indem ich mich vom Newsletter abmelde (Hinweise zur Abmeldung sind in jeder E-Mail enthalten). Nähere Informationen zur Verarbeitung meiner Daten finde ich in der Datenschutzerklärung, die ich zur Kenntnis genommen habe.

Doch auch sonst müssen die Zuschauer parieren – als Käuzchen bei der interaktiven Gruselgeschichte oder bei der militärischen Ehrlichkeit („der da, mit dem hässlichen Hemd“). Bekannt wurde der Ausbilder durch die Radio-Comedy „Morgen, ihr Luschen!“ – mit genau diesem politisch unkorrekten Witz erobert er die Lacher des Publikums.

Dass er sich mit zusammengeschlagenen Hacken begrüßen lässt – „das erwartet ihr doch“, pöbelt er von der Bühne.

Wohl kalkuliert senkt Schmidt das Niveau immer wieder mit derben Parolen und zotigen Stammtisch-Sprüchen. Geplant wie ein militärisches Manöver werden Tabuthemen angerissen: Es beginnt mit der kulturhistorischen Bedeutung der Lasche, um dann unter der Gürtellinie zu enden.

Nach der Pause marschiert Schmidt mit Megafon durch das Publikum – so dass auch die Gäste in den mittleren Reihen nicht mehr sicher sind. Mit dem Vorlesen der Top Ten der aggressivsten Publikumssprüche beweist Schmidt, dass er einstecken kann.

Nach einer etwas vorhersehbaren Episode im französischen Feinschmeckerrestaurant – die mit der Essensversorgung bei der Bundeswehr konterkariert wird – und mit einem flambierten Koch endet, zeigt der Comedian endlich wieder Bandbreite. Er blickt zurück in seine Kindheit, als er noch „mit Pupp... äh, Panzern“ spielte.

Vor allem die Anekdoten seines Zivillebens als Vater des 13-jährigen Sohnemanns überzeugen. Sein Tipp, mit Facebook Geld zu verdienen, trifft den Nerv der Anwesenden: „Einloggen, unter Einstellungen ,Abmelden’☻ und stattdessen zur Arbeit gehen – so muss das“.

Neben zweifelhaften anderen Erziehungsmethoden bekräftigt er Ursula von der Leyens Position als Verteidigungsministerin – und damit als seine Chefin: „Wer sieben Kinder hat, kann auch ’ne Armee führen“.

Evelyn Eveslage Wardenburg / Redaktion Wardenburg
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.