OLDENBURG Die Alarmsignale sind eindeutig: In der Schule rutschen die Jungen gegenüber den Mädchen immer weiter ab. Die Jungs führen bei den Schulabbrechern, bei den Spitzenleistungen liegen sie weit zurück.

Auf diese besorgniserregende Entwicklung hat am Donnerstagabend Prof. Dr. Christian Pfeiffer im ehemaligen Landtag hingewiesen. Der Leiter des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen und frühere Justizminister des Landes sagte aber auch, wie die Reaktion darauf aussehen sollte. „Bewegung ist das Zauberwort“, sagte er. Mit kreativen Angeboten müsste bei den Jungen die „Lust auf Leben“ geweckt werden.

Zu dem Vortrag „Jungen in der Krise – was ist zu tun?“ hatte die Oldenburgische Bürgerstiftung eingeladen – und damit ein großes Interesse bei Eltern geweckt. Vorstandsmitglied Horst-Rudolf Finger begrüßte in dem überfüllten Saal mehr als 350 Besucher. Sie waren ebenso wie Polizeidirektor Wiard Lüken, der ein Grußwort sprach, gespannt auf die Ausführungen von Pfeiffer, der selbst Gründer einer Bürgerstiftung ist.

Als eine Ursache für das schulische Abrutschen der Jungen nannte Pfeiffer den starken Medienkonsum. Studien hätten ergeben, dass Jungen mehr Fernseher, Playstation und Computer als Mädchen besitzen.

Eine Wechselbeziehung zwischen Videospielen und Gewaltbereitschaft konnte in Untersuchungen zwar nicht nachgewiesen werden. Doch der Kriminologe sieht einen Zusammenhang zwischen zeitintensivem Videospiel-Konsum (insbesondere bei Gewaltspielen) und nachlassenden Schulleistungen. „Wir klauen den Kindern Zeit, wenn wir ihnen diese Geräte ins Zimmer stellen. Dies wirkt sich negativ aus“, sagte er.

Verbote seien keine Lösung. Die Jungen müssten am Nachmittag sinnvoll beschäftigt werden. Auch die Schule könne ihren Teil leisten. Als Beispiel nannte Pfeiffer eine Schule in den USA, die anstelle des herkömmlichen Sportunterrichts lustvoll gestaltetes Fitness-Training (u.a. Klettern) anbiete. Durch dieses nicht wettbewerbsorientierte Vormittagsangebot würde zusätzlich auch das Selbstwertgefühl der Jungen gesteigert. Die Leistungen dieser Schüler seien enorm angestiegen.

Rainer Dehmer Oldenburg / Redaktion Oldenburg
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