Oldenburg Georgiana Raluca Teutisan kommt aus Madrid, ihre Eltern aus Valencia. Die 27-Jährige hat nach ihrem Abitur jahrelang in der spanischen Hauptstadt als Kellnerin gejobbt. Eine Ausbildungsmöglichkeit oder eine Aussicht auf eine feste Stelle? Fehlanzeige. Das gibt der Markt dort nicht her.

Da hat die Madrilenin sich ein Herz gefasst. Sprungbrett war das Vermittlungs-Angebot des Oldenburger Unternehmens „bbf sustain“, das seinen Sitz im TGO hat, sich hier ausbilden zu lassen: als Restaurantfachfrau. Georgiana schlug ein und reiste ab – mit 20 weiteren jungen Spaniern ohne echte Perspektive.

Team „sehr nett zu mir“

Inzwischen hat sie zwei Lehrjahre hinter sich: Im Restaurant „Kleine Burg“ und in der BBS 3. Sie sagt: „Ich wollte immer gerne Deutsch lernen. Das wäre in Madrid aber viel zu teuer gewesen. Auch die deutsche Kultur hat mich interessiert. Ich habe keine Kinder, also habe ich es gewagt.“ Ihre Chefin Lina Willms sagt: „Der Beruf ist nicht einfach, und gute Bewerber zu finden, ist deshalb auch nicht so einfach. Georgiana macht das sehr gut. Sie bringt sich komplett ein, ist sehr fleißig, sehr zuverlässig, und ist immer bereit einzuspringen. Sie ist ein vollwertiges Mitglied unseres Teams. Wir fühlen uns für sie verantwortlich.“

Die erste Bilanz der angehenden Restaurantfachfrau fällt hervorragend aus: „Mein Betrieb bietet mir eine gute Chance, sie sind sehr nett zu mir und geduldig. Ich habe Glück gehabt, zumal die BBS in der Nähe ist und die kleine Wohnung, die ich mir gemietet habe, auch.“ Von den 20 Spaniern, die vor zwei Jahren kamen, ist nach ihrer Schätzung noch die Hälfte hier. Zu weite Wege von Oldenburg zu den Betrieben oder zu anderen BBSen, etwa im Ammerland, seien Gründe gewesen. Auch an der Sprache oder am Heimweh kann es mal liegen.

Das Programm ist also kein Selbstläufer, aber es werden viele Anstrengungen unternommen, damit es funktioniert. „Denn im Oldenburger Land bleiben jedes Jahr fast 25 Prozent aller Ausbildungsplätze der heimischen Wirtschaft unbesetzt“, sagt Torben Böhle, Geschäftsführer von bbf sustain. Wegen der demografischen Entwicklung und der Anziehungskraft der Hochschulen hätten es Betriebe immer schwerer, Nachwuchskräfte zu rekrutieren.

Deshalb kümmert sich das Unternehmen seit drei Jahren um dieses Thema und motivierte junge Menschen im europäischen Ausland für die Wirtschaft im Nordwesten. Alle Azubis lernen vor dem Ausbildungsbeginn in ihren Heimatländern Deutsch.

Nachdem „bbf“ bislang ausschließlich junge Menschen aus Spanien und Kroatien für eine Ausbildung hierher geholt hat, werden über das neue Programm „Ausbildungsverbund International“ nun auch etwa 40 Flüchtlinge und andere Kandidaten mit Migrationshintergrund betreut. Torben Böhle sagt: „Das Kultusministerium als Förderer erhofft sich, dass sich die guten Erfahrungen, die bbf sustain mit europäischen Jugendlichen gesammelt hat, auf andere internationale Azubis übertragen lassen.“

Bald auch Flüchtlinge

Dass pädagogische, organisatorische und sprachliche Unterstützung hier zusammenlaufen, überzeuge die Betriebe offenbar: „Ab diesem Sommer werden wir über 140 internationale Azubis vom 1. bis 3. Lehrjahr in 70 Unternehmen betreuen und auf die Gesellenprüfung vorbereiten. Im neuen Ausbildungsverbund halten wir 60 Plätze vor, von denen 40 besetzt sind.“ Vor allem für kleine und mittelständische Betriebe könne der Verbund sinnvoll sein, weil oft die Ressourcen für eine intensive Betreuung der Azubis fehlten.

Betrieb und Azubi erhalten in dem Verbund einen festen Ansprechpartner, der unterstützt, um Abbrüche zu vermeiden. Die Azubis erhalten weiteren Sprachunterricht und Unterstützung bei der Aufarbeitung des Berufsschulunterrichts. Das soll vor allem Betrieben helfen, die zum ersten Mal Flüchtlinge oder internationale Azubis ausbilden und sich über die gesamte Ausbildungsdauer eine Unterstützung wünschen, weil die eigenen Ressourcen dafür nicht reichen. Angesprochen sind aber auch junge Menschen, die in dieses Programm passen und noch auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz sind.

Wagnis hat sich gelohnt

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Für Georgiana Raluca Teutisan hat sich der Sprung ins kalte norddeutsche Wasser gelohnt. Sie kann sich „vorstellen, mir hier eine Existenz aufzubauen“. Ein weiterer Grund dafür: Ihr Freund ist vor sieben Monaten nachgekommen. Er war Busfahrer in Madrid – und fährt nun für die VWG, die Busfahrer dringend gesucht hat, kreuz und quer durch Oldenburg.


Infos unter   www.bbf-sustain.de 

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Karsten Röhr Redakteur / Redaktion Oldenburg
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