Oldenburg Beim Thema Baumfällung reagiert Stadtbaurätin Gabriele Nießen inzwischen besonders sensibel. Nach den Erfahrungen mit den Bürgerprotesten an der Edewechter Landstraße hält sie sich lieber mit entsprechenden Vorschlägen zurück. Zu ihrer eigenen Überraschung kam nun die Idee, Baumreihen für einen Straßenausbau abzuholzen, aus der Politik. In der jüngsten Sitzung des Verkehrsausschusses sprachen sich insbesondere SPD und Linke dafür aus, in der Kaiserstraße alle 20 Ginkgo-Bäume zu entfernen, damit mehr Parkplätze erhalten werden können und durch Neuanpflanzungen ein Allee-Charakter entsteht. „Wir haben auch daran gedacht. Von uns aus hätten wir es aber nicht vorgeschlagen“, gab Nießen im Ausschuss zu.

Die Verwaltung möchte die Kaiserstraße noch in diesem Jahr ausbauen, weil nur für diesen befristeten Zeitraum EU-Mittel beantragt werden können (NWZ  berichtete). Der Vorteil: Die Stadt müsste weniger als ein Sechstel der Ausbaukosten selbst tragen.

Die Planer im Rathaus haben zwei Varianten entwickelt, von denen bisher keine die uneingeschränkte Unterstützung der Politik erhielt. Die erste Variante (Kosten: 205 000 Euro) sieht vor, das Erscheinungsbild der Kaiserstraße dem des Bahnhofsviertels (u. a. Klävemannstraße) anzupassen und die unebenen Gehwege neu zu pflastern. Dies ist notwendig, da die Wurzeln der Ginkgo-Bäume das alte Pflaster an vielen Stellen hochgedrückt haben. Die derzeit 25 Parkplätze blieben aber erhalten.

Die zweite Variante (Kosten: 500 000 Euro) beinhaltet einen niveaugleichen Ausbau von Fahrbahn und Gehwegen (ähnlich wie in der alten Donnerschweer Straße). Radfahrer würden auf der Fahrbahn fahren dürfen, für Autofahrer gilt dann Tempo 20 als Höchstgeschwindigkeit. 19 Parkplätze würden allerdings wegfallen.

Dem Verkehrsausschuss präsentierte die Verwaltung eine Kompromisslösung. Diese orientiert sich an der zweiten Variante. Durch die Fällung einzelner Ginkgo-Bäumen würde Platz geschaffen, um zwölf Parkplätze erhalten zu können. Ausschuss-Vorsitzende Gesine Multhaupt (SPD), Markus Dietz (Grüne) und Michael Rosenkranz (CDU) lobten den Kompromiss. „Den Weg können wir mitgehen“, so der Tenor.

Hans-Henning Adler (Linke) und Christoph Sahm (SPD) möchten komplett auf die Ginkgo-Bäume verzichten. Als Grund nannte Sahm nicht nur die Schäden, die das Wurzelwerk der aus China stammenden Bäume anrichten. Im Herbst, wenn die Samen des weiblichen Ginkgos reifen, breite sich ein fürchterlicher Buttersäure-Gestank aus. Daher sei der Baum bei den Anwohnern der Kaiserstraße wenig beliebt. Sahm: „Das ist schon Geruchsbelästigung.“

Rainer Dehmer Oldenburg / Redaktion Oldenburg
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