OLDENBURG „To build a better world“. Leise sagt das die Klarinettistin Nele Nelle, und trotzdem eindringlich. Es sind die einzigen Worte, sonst ist im Stück „Fugadenom“ von Ramón Gorigoitia Musik die Sprache.

Gorigoitias Lehrer Gustavo Becerra-Schmidt war gewiss einer, der an einer besseren Welt baute. Becerra-Schmidt verstarb im Januar 2010. Das Konzert in der Aula der Universität galt seinem Gedenken (Komponisten-Colloquium des Instituts für Musik). Der 1925 geborene Chilene war in seiner Heimat schon früh hoch geschätzt, er wurde zu Zeiten der Regierung Allende Kulturattaché in Bonn. Nach dem Militärputsch in Chile 1973 lebte er in Deutschland im Exil, Oldenburg wurde zur Wahlheimat, die Universität ein Ort seines Wirkens.

Becerra-Schmidt ist fraglos auch ein Oldenburger Komponist. Sein Ansehen hier ist am hohen Publikumsinteresse ebenso zu erkennen wie an der großen Anzahl von Musikern (Mitglieder der Universität und Gäste), die das Konzert „in Memoriam“ gestalteten.

Komponisten wie Becerra-Schmidt, sagt Wolfgang Martin Stroh in seinem begleitenden Vortrag, „wollen Menschen belehren, erziehen, verändern und zum Handeln antreiben“. Zum Beispiel die eigenen Schüler: neben Musik von Gorigoitia waren in der Aula auch Werke von Friedemann Schmidt-Mechau, Wilhelm Garre und Karl Leinweber zu hören. Von der Reihenkomposition bis hin zu jiddischer Musik – Becerra-Schmidt war keiner, der eine ästhetische Doktrin aufgezwungen hätte. Vielmehr förderte er, dies ist auch jetzt noch nachhörbar, effektiv die Individualität seiner Schüler.

Auch Becerra-Schmidts eigene Musik ist vielgestaltig. Zu hören war dies anhand von Instrumentalmusik wie den substanzreichen Episoden des „Ballett sobre un cuento de brujas“ (zwei Klaviere und Schlagzeug) über kontrastreiche Lieder bis hin zu charismatischen Chören (hier vom Bundschuh-Chor gesungen). Seine Werke sind oft vom rhythmischen Duktus her gedacht, der sich wiederum stark an Sprache orientiert. Regelmäßig finden sich politische Inhalte.

Stücke wie der Chorsatz „Revolución“ zeigen, wie sehr Becerra-Schmidt ein politischer Komponist war, beeinflusst sicher durch die eigene Vita und die Verhältnisse in seiner chilenischen Heimat. Dass seine Musik darüber hinaus unmittelbar und aus sich selbst heraus anspricht, zeugt auch von der hohen Qualität seines kompositorischen Vermächtnisses.

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