OLDENBURG Weil die Rauchbombe nicht zünden will, muss eine Signalgranate herhalten. Sie hüllt die zwischen Kiefern liegenden Autos und Bundeswehr-Lastwagen in roten Qualm. Die Szenerie wirkt dennoch täuschend echt: Bundeswehr-Soldaten und Feuerwehrleute fahren mit Mungo-Transportern, Kranwagen und Löschfahrzeugen zum vermeintlichen Unfallort, um Verletzte zu bergen. Über den Bäumen des Truppenübungsplatzes in Bümmerstede knattert ein imposanter Transporthubschrauber vom Typ CH-43.

Unfälle durch Erdbeben

Gemeinsam mit der Freiwilligen Feuerwehr Falkenburg (Landkreis Oldenburg) und der Rettungshundestaffel Weser-Ems (Ammerland) üben Soldaten des Luftlande­unterstützungsbataillons  272 an diesem Dienstagabend das Retten und Bergen nach einer Naturkatastrophe. Genauer: Als Übungsszenario werden durch Erdbeben verursachte Verkehrsunfälle in Afghanistan angenommen. „Es ist keine soldatische, sondern eine fachliche Übung. Bei dieser komplexen Lage trainieren wir die Zusammenarbeit mit zivilen Kräften“, erläutert Übungsleiter Hauptmann Jens Meyerhoff. Beteiligt daran sind mehr als 100 Soldaten, Feuerwehrleute und Hundeführer.

Anlass für das abendliche Training ist der unmittelbar bevorstehende Auslandseinsatz von Teilen der in der Henning-von-Tresckow-Kaserne stationierten Einheit. Schon Ende des Monats fliegen die ersten Soldaten des Bataillons nach Afghanistan. Versorgung und Nachschub der Truppenteile sowie Sanitätsdienst gehören in den sechs Monaten dort zu ihren Aufgaben.

Um die Übung möglichst realistisch ablaufen zu lassen, tragen die mit Sturmgewehren bewaffneten Soldaten ihren Helm und die 18 Kilogramm schwere Schutzweste. „Nur Hitze und Staub fehlen. Und es gibt hier auch keine Sprachprobleme“, sagt ein Stabsunteroffizier, als er aus dem Mungo springt.

Kümmern müssen sich die Übungsteilnehmer um vier unterschiedlich aufgebaute Unfallsituationen. Anweisungen kommen über Funk. Feuerwehr und Bundeswehr teilen sich die Aufgaben. Jeder weiß, was er zu tun hat.

In allen Fällen müssen Verletzte aus Fahrzeugen befreit werden. Den Gebrauch der hydraulischen Rettungsschere hatte die Feuerwehr im Vorfeld mit den Soldaten geprobt. „Man muss bei einer solchen Rettungsaktion besonders darauf achten, dass man nicht versehentlich den Airbag auslöst“, erklärt Manuel Zießler, Experte für technische Rettung bei der Feuerwehr. Seine Kollegen löschen derweil ein kleines Feuer und versorgen vermeintliche Brandopfer.

Inzwischen haben die Soldaten die Verletzten geborgen. Die mit Theaterblut geschminkten Statisten müssen nun eiligst mit Tragen zum Transporthubschrauber geschleppt werden. Als der Hubschrauber schließlich abhebt, wischt sich so mancher Helfer den Schweiß von der Stirn. „Es ist schon anstrengend. Die Übung bringt uns aber auch wichtige Erfahrungen“, ist sich Hauptfeldwebel Dieter Falkenthal sicher.

Zufrieden mit Ergebnis

Etwa 100 Meter von ihm entfernt laufen die Vereinsmitglieder der Rettungshundestaffel durchs Unterholz. Sie sollen mit ihren Tieren die Verletzten finden, die unter Schock weggerannt waren. „Wir haben alle gefunden. Es klappte bestens“, freut sich Staffel-Chef Gerhard Hinz über das Ergebnis.

Ortsbrandmeister Heinfried Bande hat seine 30 Leute bereits zur Abschlussbesprechung um sich versammelt: „Ich bin zufrieden. Wir konnten z.B. an einem Lastwagen üben. Die Gelegenheit haben wir sonst nicht.“ Bei Anbruch der Dunkelheit fahren die Feuerwehrleute zur Tresckow-Kaserne. Als Dank für die Teilnahme gibt es für die ehrenamtlichen Helfer dort Suppe.

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Rainer Dehmer Oldenburg / Redaktion Oldenburg
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