Oldenburg Fünf Menschen (+3) kamen im vergangenen Jahr bei Verkehrsunfällen auf Oldenburger Boden ums Leben. 1051 (+43) erlitten Verletzungen, derer 113 (+10) wurden schwer verletzt. Die Zuwächse im kleinen zweistelligen Bereich erscheinen für sich nicht allzu massiv. In Anbetracht der Gesamtentwicklung ernüchtert die polizeiliche Statistik für das vergangene Jahr durchaus – denn in den meisten Segmenten steigen die Werte unaufhörlich an.

Höchststände in der Zehn-Jahres-Übersicht gab es bei Unfällen mit Fußgängern, mit Rad- und Pedelecfahrern, mit Senioren und Kindern. Zugegeben: Hier finden sich auch einige Schnittmengen – Senioren können darin ja beispielsweise zusätzlich als Fußgänger oder Radfahrer vermerkt sein. Unterm Strich bleibt trotzdem der Anstieg in vielen Bereichen. Und dieser lässt sich dann sehr wohl mit den Zahlenwerken der Vorjahre vergleichen. Gar nicht auszudenken, wie die Zahlen wohl aussehen würden, hätten die Einsatzkräfte nicht bereits massiv in den Straßen kontrolliert und präventiv gewirkt.

Ablenkung durch Handys

„90 Prozent der Unfälle erklären sich durch menschliches Verhalten, nicht aufgrund technischer Mängel“, sagt da Bernhard Stegemann von der Verkehrsunfallkommission. Und wirft man einen Blick auf die Ursache von Unfällen mit Verletzten, wird das noch einmal unterstrichen: Da sind zuvorderst Vorfahrt- und Abbiegefehler, da ist aber auch das Einfahren in den fließenden Verkehr, da ist die Nutzung der falschen Fahrbahn, da sind Alkohol, Drogen, fehlerhaftes Wenden oder nicht angepasste Geschwindigkeit.

Und dann wäre da ja noch die vermeintliche Wurzel allen Übels: bewusste Ablenkung durch Handys. Sei es bei Fußgängern, sei es bei Radfahrern und eben allen Kraftfahrzeugführern. Allein 600 Verstöße (exklusive Autobahnen) hatte die Oldenburger Polizei da im vergangenen Jahr bei ausgewiesenen Überwachungsmaßnahmen festgestellt. Sechshundert. So oft wurde eben nicht nur gegen die Verkehrsregeln, sondern auch gegen den gesunden Menschenverstand verstoßen.

Vorsatz oder nicht?

Apropos: Einen Höchststand registriert die Polizei auch bei der Unfallflucht: 1294 Mal entfernten sich Verursacher unerlaubt vom Unfallort. Das waren in der Hauptsache zwar Sachschäden, dennoch bleiben da auch die Verkehrs-Profis recht ratlos zurück. Unfallflucht ist kein Kavaliersdelikt. Zugute halten könnte man den Verursachern, dass sie die Schäden möglicherweise nicht selbst bemerkt haben – die Fahrzeuge werden schließlich größer und schwerer, die Parkplätze indes bleiben normiert. Also doch kein Vorsatz?

Was die Verkehrsunfallstatistik gleichsam zwischen den Zeilen verrät: Polizei und Stadt werden ihre flächendeckenden Maßnahmen zur Vermeidung von Unfällen und vor allem Verletzten im Straßenverkehr fortan noch einmal verstärken. Sprich: Mehr Kontrollen, aber auch mehr Prüfungen von Knotenpunkten, Beschilderungen, Ampelschaltungen, unübersichtlichen Ecken und Mündungsbereichen.

Klare Tendenz wie Warnung

5120 Verkehrsunfälle wurden insgesamt gezählt, das sind immerhin 31 weniger als noch 2017. Gleichermaßen wurden 2700 Kraftfahrzeuge und Anhänger mehr für Oldenburgs Straßen angemeldet. Natürlich mag es auch da einen Zusammenhang geben.

Aber: Vor allem die Zahl unfallbeteiligter Radfahrer schlägt hier ins Gewicht. Besondere Aufmerksamkeit erfahren da die Pedelec-Nutzer: Von gleich 56 (+19) Unfallbeteiligten wurden 49 verletzt, 13 (+5) sogar schwer. Das ist eine klare Tendenz wie Warnung. Stegemann: „Mit Zunahme der Pedelecfahrenden ist auch deren Unfallbeteiligung deutlich gestiegen.“

Die Zahlen zur Statistik:

* KINDER: Mit 83 verletzten Kindern (bis 14 Jahre) sind gleich 24 mehr bei einem Verkehrsunfall verletzt worden als im Vorjahr. Statistisch erfasst wurden hierbei alle Kinder – sei es in der aktiven Verkehrsbeteiligung als Radfahrer, sei es als Mitinsasse im Pkw oder anderen Fahrzeugen. Von den 83 Verletzten wurden 13 Kinder als Mitfahrende, 70 als Radfahrende und 16 als Fußgänger verletzt.

* SENIOREN: Im Segment der „Risikogruppe Senioren“ (über 65 Jahre) hat es eine deutliche Zunahme gegeben. Die Zahl der als Hauptverursacher Registrierten stieg von 744 auf nunmehr 827 Personen an. Die Anzahl der leicht und auch der schwer verletzten Senioren nahm zum wiederholten Male deutlich (von 102 auf 120 Leicht- und von 29 auf 42 Schwerverletzte) zu. Eine Fußgängerin verlor ihr Leben.

* JUNGE AUTOFAHRER: Mehr sogenannte „Junge Fahrerinnen und Fahrer“ – also Verkehrsteilnehmer im Alter zwischen 18 und 24 Jahren – wurden als Unfallbeteiligte oder Hauptverursacher als noch in den Vorjahren verzeichnet. Die Anzahl der bei einem Unfall leicht verletzten Personen stieg 2018 von vormals 155 auf nun 163 Personen an. Allerdings: Keine Person aus dieser Risikogruppe wurde tödlich verletzt.

* UNFALLURSACHEN: Gründe für einen Unfall gibt es viele – grundsätzlich handelt es sich wohl um mangelnde Aufmerksamkeit in unterschiedlichster Ausführung. In der Betrachtung der Unfälle mit Verletzten und Getöteten jedoch konnte die Polizei folgende Ursachen feststellen: 24,6 Prozent aller Vorfälle lagen in Fehlern beim Abbiegen begründet, 24,3 bei missachteter Vorfahrtsregelung.

* FUßGÄNGER: Die Gesamtsumme unfallbeteiligter Fußgänger stieg im vergangenen Jahr von 119 auf 122 an, schwerwiegender aber ist die Zahl der schwer und tödlich verletzten Passanten – sie nahm überproportional zu. Waren es 2017 noch derer 17, zählte die Polizei darauf 22 Schwerverletzte. Gab es im Vorjahr keinen Toten, mussten im vergangenen Jahr zwei Personen nach einem Unfall beerdigt werden.

* FAHRRADFAHRER: Mehr Verkehrsunfälle unter Beteiligung von Radfahrern (inklusive Pedelec) wurden verzeichnet. Waren es 2017 noch 608, wurden nun 657 statistisch erfasst. Auch die Zahl der leicht verletzten Radfahrer stieg merklich von 415 auf 452 an; in die Gegenrichtung ging es für die schwer verletzten Radfahrer – von 53 auf nun 45. Allerdings wurde auch hier ein Radfahrer bei einem Unfall getötet.

* AUTOBAHNEN: Die Anzahl der Verkehrsunfälle auf den Bundesautobahnen (BAB) im Stadtgebiet Oldenburg verringerte sich von 411 auf 382 Unfälle. Diese günstige Gesamtentwicklung spiegelt sich auch im Bereich der Unfallfolgen wider: Die Zahl der Leichtverletzten sank von 96 auf 74, die Zahl der Schwerverletzten indes von 9 auf 5 im vergangenen Jahr. Aber: Eine Person wurde dabei 2018 getötet.

Marc Geschonke Redakteur / Redaktion Oldenburg
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