Oldenburg Genau 520 Tage nach dem tödlichen Unfall auf der Oldenburger Straße kurz vor Rastede sind die beiden jungen Polizisten (24/25) vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung freigesprochen worden. Vorausgegangen waren nicht nur intensive interne wie externe Ermittlungen ob des Unglücks, bei dem ein 23-jähriger Iraner ums Leben kam, sondern auch ein gefühlter Schlingerkurs in der juristischen Bewertung, der letztlich aber in einem öffentlichen Prozess vor dem Landgericht mündete.

Dass die Richter nun ein transparentes Urteil gefällt haben, sorgt unabhängig von der Revision für allgemeine Erleichterung bei den Kollegen der beiden Männer. Aber nicht nur dort. „In vielen Gesprächen mit anderen Kolleginnen und Kollegen unserer und anderer Dienststellen war eine gewisse Verunsicherung ob der erhobenen Vorwürfe spürbar“, sagt beispielsweise Eckhard Wache, Leiter der hiesigen Polizeiinspektion, „umso größer ist nun die Erleichterung über die lebens- und realitätsnahe Sichtweise und Entscheidung des Gerichts.“ Das Strafverfahren sei für die Angehörigen des Opfers, aber auch für die beiden Beamten eine enorme emotionale Belastung gewesen. Denn die Vorwürfe wogen schwer, zogen sich über eineinhalb Jahre wie ein roter Faden durch deren Vita und Berufsalltag.

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Und auch „wenn der tragische Unfall und seine schrecklichen Folgen bleiben, hoffe ich nun, dass sowohl die Angehörigen als auch die Kollegen zur Ruhe finden können“, so Polizeipräsident Johann Kühme auf NWZ-Nachfrage. Wie Wache zeigte er sich froh darüber, dass der Prozess nun „nach sorgfältiger und gründlicher Prüfung mit dem heutigen Urteil – zumindest in dieser Instanz – abgeschlossen“ wurde.

Auch wenn die Seite des Nebenklägers noch in die Revision gehen will und damit nach der Beschwerde gegen die Ablehnung eines Hauptverfahrens im Spätsommer 2018 nun erneut für eine gewisse Form des Schwebezustands im Verfahren sorgt, haben sich die beiden Beamten bereits entschieden, nicht in die Dienstbarkeit Oldenburg zurückzukehren. Die jungen Männer wollen auf ihren jetzigen Dienststellen in Delmenhorst und Wilhelmshaven bleiben, wo sie seit Ende 2017 beschäftigt sind – damals handelte es sich aber keineswegs um eine Strafversetzung. Tatsächlich hatte es in den vergangenen eineinhalb Jahren kein Disziplinarverfahren gegen die Beamten gegeben – und nach dem nun gesprochenen Urteil wird auch keines eingeleitet. Stand jetzt. Nach NWZ-Informationen machten die Beamten an Ort und Stelle eine „tolle Arbeit“, wie es heißt – sie sind angesehen und überaus engagiert.

Das war in den Sozialen Medien nicht immer der Fall, wie Polizeipräsident Kühme beklagt: „Dieser Fall zeigt erneut, dass in der Öffentlichkeit leider zu oft und zu schnell Urteile gefällt werden. Ich würde es begrüßen, wenn Menschen ihre Meinung erst dann äußern, wenn sie ausreichend Kenntnis über den jeweiligen Sachverhalt besitzen. Wenn es – so wie hier – um mögliche Straftaten geht, sollte von allen Beteiligten auf die Unabhängigkeit der Gerichte in unserem Rechtsstaat vertraut werden.“

Marc Geschonke Redakteur / Redaktion Oldenburg
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