Oldenburg Ein 30-Jähriger muss sich seit diesem Donnerstag für versuchten Totschlag vor dem Landgericht Oldenburg verantworten. Er soll einem 17-jährigen Schüler im März in der Oldenburger Bergstraße ein Messer in den Rücken gerammt haben. Am ersten Prozesstag schwieg der Angeklagte zu den Vorwürfen.

Hintergrund des Streits soll die Tatsache gewesen sein, dass der Schüler und seine beiden jugendlichen Freunde an eine Hecke urinierten. Der 17-Jährige lag nach der Messerattacke wochenlang im Koma. „Sein Leben konnte nur durch mehrere Operationen gerettet werden“, sagt Staatsanwältin Gesa Weiß am Landgericht.

An jenem Abend Anfang März wollte der Jugendliche mit zwei Freunden in der Innenstadt feiern gehen. Fünf bis sechs Bier hatte jeder von ihnen getrunken, wie der heute 18-Jährige vor Gericht aussagt. Weinend schildert er, was damals geschah. Immer wieder versagt ihm dabei die Stimme: Vor dem Lokal stand eine lange Schlange, und die Blasen der drei drückten. Also gingen sie zu einem Parkplatz in der Nähe, um dort an eine Hecke zu urinieren.

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„Der Angeklagte nahm daran Anstoß“, sagt Staatsanwältin Weiß. Das habe er lautstark kundgetan, es sei zum Streit gekommen. Dann habe er den Jugendlichen angegriffen, der ihm am nächsten stand – ihm zielgerichtet und kraftvoll in den Rücken gestochen, sagt Weiß.

Der Jugendliche versuchte noch, wegzurennen. „Die Hose war noch offen“, sagt er vor Gericht. Doch der Angreifer war schneller. „Auf einmal wurde es warm an der Seite“, so der 18-Jährige. „Ich habe hingefasst, die Hand war voller Blut.“ Drei Monate lag der Schüler im Krankenhaus, mehrere Wochen im Wachkoma. Noch heute sind die Druckstellen der Atemmaske im Gesicht zu sehen. Der Messerstich und die Operationen haben große Narben am Oberkörper hinterlassen. Noch mehr leide er aber unter den psychischen Folgen, sagt er. Abends traue er sich nicht mehr allein nach draußen.

Der Angeklagte folgt interessiert, aber scheinbar ungerührt. Auf einem Blatt vor sich macht er Notizen, blättert in einem Aktenordner. Ob er was zur Sache sagen wolle, fragt ihn der Vorsitzende Richter. „Heute nicht“, sagt der 30-Jährige. Der Prozess wird fortgesetzt.

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