Oldenburg Die 92-jährige Mutter von Martina S. erlitt einen Oberschenkelhalsbruch. Nach der Operation wurde sie in die Geriatrie des Reha-Zentrums gebracht. Dort sollte sie eigentlich wieder „fit gemacht werden“. Doch die vergangenen zwei Tage lag sie isoliert in einem Einzelzimmer – Verdacht auf Norovirus. Laut Martina S. sind die Krankenschwestern nur noch in Schutzkleidung zu der Rentnerin gekommen. Die Mutter selbst wurde von der Außenwelt ausgesperrt. „Sie fühlte sich wie in einem Gefängnis“, sagte die Tochter.

Alles hat damit angefangen, dass eine Patientin auf das Zimmer der 92-Jährigen verlegt wurde. Sie musste ihr Zimmer für eine andere Person räumen. Grund: Bei dieser Person bestand der Verdacht auf eine Norovirus-Infektion, sagte die Tochter. „Am Freitag begann dann bei der Zimmernachbarin der Durchfall. Das ging das ganze Wochenende“, berichtete die Tochter weiter. Es sei so schlimm geworden, dass ihre Mutter sie angerufen und über den schrecklichen Gestank geklagt habe, dass sie es nicht mehr aushalten könne.

Der Bitte, in ein Einzelzimmer verlegt zu werden, sind die Krankenschwestern nicht nachgekommen. „Die haben zunächst gesagt, dass kein Einzelzimmer verfügbar sei, weil diese Zimmer durch Norovirus-Patienten belegt sind“, sagte die Tochter.

Am Montag wurde die 92-Jährige dann aber doch in ein Einzelzimmer verlegt, in dem sie allerdings isoliert wurde. Wenn Martina S. ihre Mutter besuchen wollte, musste sie selbst Schutzkleidung tragen. Dabei ging es der 92-Jährigen gut. „Es wird 48 Stunden abgewartet, ob Symptome des Norovirus auftreten“, sagte Martina S. und fügte hinzu, dass dies wichtige Zeit ist, die der Mutter für die Reha nach dem Oberschenkelhalsbruch fehlt.

Kritik an der Klinik

Martina S. kritisiert die Klinik und fragt sich, warum mögliche infizierte Patienten zu nicht infizierten Risikopatienten gelegt werden. Auf Nachfrage wurde ihr gesagt, dass die erste Untersuchung der Zimmernachbarin ergeben habe, dass es kein Norovirus sei. Nun soll bereits eine gesamte Station in der Klinik für geriatrische Rehabilitation „verseucht“ sein, wie es Martina S. sagt. „Es herrscht Ausnahmezustand in der Klinik.“

Auf Nachfrage der NWZ äußerte sich Dr. med. Jörg Hermann, Direktor des Instituts für Krankenhaushygiene, zum Fall in der Klinik für geriatrische Rehabilitation: „Seit vergangenem Freitag bestand ein Verdacht auf Noroviren.“ Am Montag wurden sie bei sieben Patienten und drei Mitarbeitern nachgewiesen. Weitere Verdachtsfälle gibt es bislang nicht.

Die Symptome des Norovirus sind Erbrechen und Durchfall, wie Dr. Hermann sagt. Diese habe es bei der Patientin, die auf das Zimmer der 92-Jährigen gebracht wurde, nicht gegeben. „Was die Tochter sagt, stimmt nicht. Die Patientin ist aus einer anderen Klinik gekommen und hatte keine Symptome“, so der Arzt weiter. Die seien erst sechs bis zehn Stunden später aufgetreten. „Dann wurden die Patientinnen sofort getrennt“, fügt Dr. Hermann hinzu. Der Virus sei jedoch sehr leicht übertragbar.

Die Station sei zudem nicht „verseucht“, wie es Martina S. beschrieb. „Es gibt dort 30 Betten, sieben Patienten sind betroffen“, erklärt der Direktor. Es würden jedoch keine neuen Patienten mehr aufgenommen, um die Verbreitung der Noroviren zu verhindern. Auch würden keine Infizierten in ihren Zimmern festgehalten, wie es Martina S. sagte. „Wir bitten die Patienten, in den Zimmern zu bleiben. Das heißt nicht, dass sie eingesperrt sind“, sagt Dr. Hermann.

Am Ende war die ganze Aufregung anscheinend umsonst: Nach Rücksprache mit der zuständigen Ärztin wurde Martina S. am Dienstag darüber informiert, dass ein Test ergeben habe, dass die Zimmernachbarin mit dem starken Magen-Darm-Infekt keine Norovirus-Infektion hat. Auch der Test auf Noroviren bei der 92-jährigen Mutter ist negativ. Zudem wird sich darum bemüht, dass die Reha der Mutter um eine Woche verlängert wird. So soll die verlorene Zeit wieder wettgemacht werden.

Große Herausforderung

Laut Dr. Hermann wurde das Gesundheitsamt bereits über den Ausbruch der Noroviren informiert. Der Direktor betont, dass es eine große Herausforderung für alle ist, sowohl für das Reinigungspersonal, als auch für die Krankenschwestern. „Es müssen die betroffenen Zimmer mit speziellen Desinfektionsmitteln gereinigt werden und das behandelnde Personal Schutzkittel, Handschuhe und Mundschutz tragen“, erklärt der Arzt.

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Soeke Heykes Volontär, 3. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
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